Zum Inhalt springen

Pyrmont:Straßen:Brunnenstraße:Brunnenstraße43: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Geschichtliches aus Bad Pyrmont
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Keine Bearbeitungszusammenfassung
 
(Eine dazwischenliegende Version desselben Benutzers wird nicht angezeigt)
Zeile 4: Zeile 4:
<p>Das Zigarrengeschäft von Adolf von der Heyde war im frühen 20. Jahrhundert Treffpunkt von Pyrmonter Bürgern, wo vormittags tagespolitische Themen besprochen wurden.</p>
<p>Das Zigarrengeschäft von Adolf von der Heyde war im frühen 20. Jahrhundert Treffpunkt von Pyrmonter Bürgern, wo vormittags tagespolitische Themen besprochen wurden.</p>
<p>Es wurde überliefert, dass Adolf v.d.Heyde ein Pyrmonter Original war, dessen Papagei Laura bei schönem Wetter in den Zweigen des Baumes an der Brunnenstraße den Diskussionen der Pyrmonter lauschte<ref>Dr. Alfter, B. Bergmann, "Brunnenstraße Bad Pyrmont - Fotografien 1880-1930, Museum im Schloss, 1990</ref>. In den späteren Jahrzehnten beherbergte das Haus auch andere, heute noch bekannte Geschäfte. Zuletzt war hier bis zum Jahr 2024 das traditionelle und beliebte Modegeschäft Milano-Moda mit Fashion aus Italien tätig.</p>
<p>Es wurde überliefert, dass Adolf v.d.Heyde ein Pyrmonter Original war, dessen Papagei Laura bei schönem Wetter in den Zweigen des Baumes an der Brunnenstraße den Diskussionen der Pyrmonter lauschte<ref>Dr. Alfter, B. Bergmann, "Brunnenstraße Bad Pyrmont - Fotografien 1880-1930, Museum im Schloss, 1990</ref>. In den späteren Jahrzehnten beherbergte das Haus auch andere, heute noch bekannte Geschäfte. Zuletzt war hier bis zum Jahr 2024 das traditionelle und beliebte Modegeschäft Milano-Moda mit Fashion aus Italien tätig.</p>
Die Pyrmonter Nachrichten schrieben am 30. Januar 1951 über Laura und die Geschichte des Hauses in der Brunnenstraße 43:
'''„Laura“ meldete die Kundschaft an'''
'''Anekdoten um ein altes Haus und das Pyrmonter Original „Onkel Adolf“''' <br>
Alle Häuser haben immer eine Geschichte. Es muß nicht gleich um Gespenster und unterirdische Gänge, um eingemauerte Schätze oder einen unsichtbaren Segen oder Fluch gehen. Schon der Anblick der verwitterten Balken, die die Handwerker in den letzten Tagen in dem Hause gegenüber dem Rathaus in der Brunnenstraße 43 freigelegt haben, erinnert an die Zeit, wo die heutige Hauptstraße eines bekannten Badeortes noch mit Bauernhöfen bestanden war, Fachwerkhäusern, die es sich nicht hätten träumen lassen, welch gewaltige Veränderungen sie noch durchmachen sollten.
Damals war auch dieses Pyrmonter Haus noch ein Bauernhaus, die Hofeinfahrt befand sich dort, wo zuletzt der kleine Laden eingebaut war. Die Scheune hat sich erst später zu einem Hinterhaus entwickelt. An diese ganz alten Zeiten kann sich wohl kaum noch jemand der Lebenden erinnern. Umso größer ist die Zahl der Einwohner unserer Stadt, die das Pyrmonter Original „Onkel Adolf“, den Vorbesitzer des Hauses von der Heyde, noch gekannt haben. Wenn sie heute vor der aufgerissenen Wand stehenbleiben, dann denken sie schmunzelnd an jene gemütlichen Tage zurück. Und wenn man sie danach fragt, dann erzählen sie zuweilen auch etwas, wissen alle, die erst viel später nach Bad Pyrmont kamen, sicherlich auch ihre Freude haben.
Solange sich die Erzähler zurückerinnern können, bestand schon der Zigarrenladen von der Heyde, der in der ehemaligen Toreinfahrt ausgebaut worden war. Aus dem Bauernhaus hatte sich unterdessen ein Pensionshaus entwickelt, vor dem, zwischen den Eichen der Brunnenstraße, zwei Fliederbüschchen standen. Tag für Tag, wenn das Wetter schön war, hing in den Zweigen des einen Büschchens ein Ring, auf dem der Papagei „Laura“ saß. Laura war nicht nur die Freundin aller Vorübergehenden, nein, sie erfüllte auch eine Aufgabe. Kam nämlich Kundschaft, dann rief sie laut „Guten Tag!“ Und nach einer kleinen Pause: „Herr von der Heyde, Herr von der Heyde!“ bis der alte Herr, der sich im Nebenraum zu schaffen machte, aufmerksam wurde und sich der Kunden annahm.
So eilig wie heute hatte man es damals noch nicht. Nicht nur die Kurgäste saßen gern zu einem Ruhestündchen auf den Bänken vor dem Hause oder in dem Vorbau, sondern auch die alten Pyrmonter Bürger kamen zu einer — auch oft stundenlang ausdehnenden — Plauderei ausgerechnet zu Adolf von der Heyde, der stets zu einem Gespräch aufgelegt war und immer etwas Neues wusste. Da er aber ein sehr geschäftiger Mann war, wurde ihm wohl manchmal die Redseligkeit der Besucher zu viel. Heimlich stahl er sich dann in seinen Laden, holte ein Schildchen und hängte es, ohne dass die Sitzenden etwas davon merkten, über der Hausbank auf. Dann wunderten sich nach einer Weile wohl die „Stammgäste“, dass die Vorübergehenden so verdächtig schmunzelten, kamen aber erst nach geraumer Zeit darauf, einmal nachzusehen, wohin sich aller Augen wandten. Da entdeckten sie dann das Schild: „Börse der Arbeitslosen“. Im Handumdrehen war die Bank leer, und verschmitzt lächelnd kam bald wieder das gutmütige Gesicht von „Onkel Adolf“ mit seinem Kaiserbart zum Vorschein.
Als „Onkel Adolf“ kannten ihn besonders die Kinder, für die er stets eine ganz besondere Zuneigung besaß. Welches Kind wäre während der Obsternte auf der Altenaustraße an seinem Garten vorübergegangen, ohne daß ihm nicht Onkel Adolf die Taschen voll Birnen oder Äpfel gesteckt hätte? Wohl kein Lehrer wurde so freundlich und regelmäßig von der Jugend gegrüßt, wie eben der „gute alte Onkel Adolf“. Und selbst wenn er geneckt wurde, nahm er es keinem übel.
Viel bewundert wurde seine Briefmarken- und Münzsammlung. Bis in die letzten Tage seines Lebens hinein vervollständigte er sie und war besonders stolz auf komplette Serien wertvoller Stücke. Fast jedermann wußte, daß er jedes Mal einen Brief an sich selbst schrieb, wenn der Zeppelin eine neue Reise begann. So besaß er von sämtlichen Zeppelinfahrten Originalkuverts mit den entsprechenden Marken. Aber auch bei den Kegelbrüdern in der alten Kegelbahn am Quellenhof stand er seinen Mann, so dass er allgemein „der Kegelvater“ hieß.
Schon von seinem Vater her war das Haus von der Heyde ein Mittelpunkt in Bad Pyrmont geworden. Der alte Herr war jahrelang Bürgermeister gewesen und hatte zeitweilig seine Amtsräume dort, wo später der Zigarrenladen bestand. Schon in Friedenszeiten galt der Laden von „Onkel Adolf“ als die Zentrale der „neuesten Neuigkeiten“. Als aber der Krieg ausbrach (1914), wurde das „Nachrichtenbüro“ organisiert. Große strategische Karten hingen im Schaukasten, die neuesten Meldungen vom Kriegsschauplatz wurden angeschlagen (und erläutert), und wenn eine Schlacht gewonnen war, dann ließ Onkel Adolf schnell zu seinem Nachbarn Garbe, der sein Jagdgewehr und dreimal, bei ganz besonders großen Anlässen sogar sechsmal, von seinem Balkon aus in die Luft schoss. Dann wusste die ganze Stadt, dass man wieder einen Sieg erfochten hatte. Allerdings konnte sie sich einmal nicht recht vorstellen, was passiert war, als es etwa eine halbe Stunde lang von diesem Balkon so knatterte, als sei in Bad Pyrmont der Krieg ausgebrochen. Wie sich später herausstellte, war das das Freudenzeichen anlässlich Weddigens großem U-Boot-Erfolg.
Adolf von der Heyde starb kinderlos. Nach dem Tode seiner Frau erwarb der heutige Besitzer das Haus von den Erben. Der gegenwärtige Umbau wird dem Gebäude nun endgültig das Gesicht eines Geschäftshauses verleihen. Der neue Hausbesitzer hatte 1941 in dem ehemaligen Zigarrenladen ein Schokoladengeschäft eingerichtet, das nach einer kriegsbedingten Pause nun für diesen Zweck gründlich ausgestaltet werden soll.
   
   
<gallery widths="250px" heights="200px">
<gallery widths="250px" heights="200px">

Aktuelle Version vom 17. März 2026, 09:07 Uhr


Haus von der Heyde

Das Zigarrengeschäft von Adolf von der Heyde war im frühen 20. Jahrhundert Treffpunkt von Pyrmonter Bürgern, wo vormittags tagespolitische Themen besprochen wurden.

Es wurde überliefert, dass Adolf v.d.Heyde ein Pyrmonter Original war, dessen Papagei Laura bei schönem Wetter in den Zweigen des Baumes an der Brunnenstraße den Diskussionen der Pyrmonter lauschte[1]. In den späteren Jahrzehnten beherbergte das Haus auch andere, heute noch bekannte Geschäfte. Zuletzt war hier bis zum Jahr 2024 das traditionelle und beliebte Modegeschäft Milano-Moda mit Fashion aus Italien tätig.

Die Pyrmonter Nachrichten schrieben am 30. Januar 1951 über Laura und die Geschichte des Hauses in der Brunnenstraße 43:

„Laura“ meldete die Kundschaft an
Anekdoten um ein altes Haus und das Pyrmonter Original „Onkel Adolf“ 
Alle Häuser haben immer eine Geschichte. Es muß nicht gleich um Gespenster und unterirdische Gänge, um eingemauerte Schätze oder einen unsichtbaren Segen oder Fluch gehen. Schon der Anblick der verwitterten Balken, die die Handwerker in den letzten Tagen in dem Hause gegenüber dem Rathaus in der Brunnenstraße 43 freigelegt haben, erinnert an die Zeit, wo die heutige Hauptstraße eines bekannten Badeortes noch mit Bauernhöfen bestanden war, Fachwerkhäusern, die es sich nicht hätten träumen lassen, welch gewaltige Veränderungen sie noch durchmachen sollten. Damals war auch dieses Pyrmonter Haus noch ein Bauernhaus, die Hofeinfahrt befand sich dort, wo zuletzt der kleine Laden eingebaut war. Die Scheune hat sich erst später zu einem Hinterhaus entwickelt. An diese ganz alten Zeiten kann sich wohl kaum noch jemand der Lebenden erinnern. Umso größer ist die Zahl der Einwohner unserer Stadt, die das Pyrmonter Original „Onkel Adolf“, den Vorbesitzer des Hauses von der Heyde, noch gekannt haben. Wenn sie heute vor der aufgerissenen Wand stehenbleiben, dann denken sie schmunzelnd an jene gemütlichen Tage zurück. Und wenn man sie danach fragt, dann erzählen sie zuweilen auch etwas, wissen alle, die erst viel später nach Bad Pyrmont kamen, sicherlich auch ihre Freude haben. Solange sich die Erzähler zurückerinnern können, bestand schon der Zigarrenladen von der Heyde, der in der ehemaligen Toreinfahrt ausgebaut worden war. Aus dem Bauernhaus hatte sich unterdessen ein Pensionshaus entwickelt, vor dem, zwischen den Eichen der Brunnenstraße, zwei Fliederbüschchen standen. Tag für Tag, wenn das Wetter schön war, hing in den Zweigen des einen Büschchens ein Ring, auf dem der Papagei „Laura“ saß. Laura war nicht nur die Freundin aller Vorübergehenden, nein, sie erfüllte auch eine Aufgabe. Kam nämlich Kundschaft, dann rief sie laut „Guten Tag!“ Und nach einer kleinen Pause: „Herr von der Heyde, Herr von der Heyde!“ bis der alte Herr, der sich im Nebenraum zu schaffen machte, aufmerksam wurde und sich der Kunden annahm. So eilig wie heute hatte man es damals noch nicht. Nicht nur die Kurgäste saßen gern zu einem Ruhestündchen auf den Bänken vor dem Hause oder in dem Vorbau, sondern auch die alten Pyrmonter Bürger kamen zu einer — auch oft stundenlang ausdehnenden — Plauderei ausgerechnet zu Adolf von der Heyde, der stets zu einem Gespräch aufgelegt war und immer etwas Neues wusste. Da er aber ein sehr geschäftiger Mann war, wurde ihm wohl manchmal die Redseligkeit der Besucher zu viel. Heimlich stahl er sich dann in seinen Laden, holte ein Schildchen und hängte es, ohne dass die Sitzenden etwas davon merkten, über der Hausbank auf. Dann wunderten sich nach einer Weile wohl die „Stammgäste“, dass die Vorübergehenden so verdächtig schmunzelten, kamen aber erst nach geraumer Zeit darauf, einmal nachzusehen, wohin sich aller Augen wandten. Da entdeckten sie dann das Schild: „Börse der Arbeitslosen“. Im Handumdrehen war die Bank leer, und verschmitzt lächelnd kam bald wieder das gutmütige Gesicht von „Onkel Adolf“ mit seinem Kaiserbart zum Vorschein. Als „Onkel Adolf“ kannten ihn besonders die Kinder, für die er stets eine ganz besondere Zuneigung besaß. Welches Kind wäre während der Obsternte auf der Altenaustraße an seinem Garten vorübergegangen, ohne daß ihm nicht Onkel Adolf die Taschen voll Birnen oder Äpfel gesteckt hätte? Wohl kein Lehrer wurde so freundlich und regelmäßig von der Jugend gegrüßt, wie eben der „gute alte Onkel Adolf“. Und selbst wenn er geneckt wurde, nahm er es keinem übel. Viel bewundert wurde seine Briefmarken- und Münzsammlung. Bis in die letzten Tage seines Lebens hinein vervollständigte er sie und war besonders stolz auf komplette Serien wertvoller Stücke. Fast jedermann wußte, daß er jedes Mal einen Brief an sich selbst schrieb, wenn der Zeppelin eine neue Reise begann. So besaß er von sämtlichen Zeppelinfahrten Originalkuverts mit den entsprechenden Marken. Aber auch bei den Kegelbrüdern in der alten Kegelbahn am Quellenhof stand er seinen Mann, so dass er allgemein „der Kegelvater“ hieß. Schon von seinem Vater her war das Haus von der Heyde ein Mittelpunkt in Bad Pyrmont geworden. Der alte Herr war jahrelang Bürgermeister gewesen und hatte zeitweilig seine Amtsräume dort, wo später der Zigarrenladen bestand. Schon in Friedenszeiten galt der Laden von „Onkel Adolf“ als die Zentrale der „neuesten Neuigkeiten“. Als aber der Krieg ausbrach (1914), wurde das „Nachrichtenbüro“ organisiert. Große strategische Karten hingen im Schaukasten, die neuesten Meldungen vom Kriegsschauplatz wurden angeschlagen (und erläutert), und wenn eine Schlacht gewonnen war, dann ließ Onkel Adolf schnell zu seinem Nachbarn Garbe, der sein Jagdgewehr und dreimal, bei ganz besonders großen Anlässen sogar sechsmal, von seinem Balkon aus in die Luft schoss. Dann wusste die ganze Stadt, dass man wieder einen Sieg erfochten hatte. Allerdings konnte sie sich einmal nicht recht vorstellen, was passiert war, als es etwa eine halbe Stunde lang von diesem Balkon so knatterte, als sei in Bad Pyrmont der Krieg ausgebrochen. Wie sich später herausstellte, war das das Freudenzeichen anlässlich Weddigens großem U-Boot-Erfolg. Adolf von der Heyde starb kinderlos. Nach dem Tode seiner Frau erwarb der heutige Besitzer das Haus von den Erben. Der gegenwärtige Umbau wird dem Gebäude nun endgültig das Gesicht eines Geschäftshauses verleihen. Der neue Hausbesitzer hatte 1941 in dem ehemaligen Zigarrenladen ein Schokoladengeschäft eingerichtet, das nach einer kriegsbedingten Pause nun für diesen Zweck gründlich ausgestaltet werden soll.


  1. Dr. Alfter, B. Bergmann, "Brunnenstraße Bad Pyrmont - Fotografien 1880-1930, Museum im Schloss, 1990
Cookies helfen uns bei der Bereitstellung von Geschichtliches aus Bad Pyrmont. Durch die Nutzung von Geschichtliches aus Bad Pyrmont erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies speichern.