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Über die Hamborner Mühle, seinen Eigentümer Heinrich Wienecke und die Holzhäuser Badeanstalt

Aus Geschichtliches aus Bad Pyrmont

Die Hamborner Mühle und Heinrich Wienecke

Die Hamborner Mühle 1717 in der Ansicht von Pyrmont aus Philipp Seip "Beschreibung der Pyrmontischen Brunnen, ..."
Hamborner Mühle - Kupferstich in H.M. Marcards 1785 erschienenen Buch "Beschreibung von Pyrmont"

Die Hamborner Mühle auf der Grenze zwischen Bad Pyrmont-Holzhausen und Lügde hat eine lange Geschichte. Der frühere Heimatforscher Manfred Willeke schrieb in seinem nicht mehr direkt zugänglichen digitalen Willeke-Archiv "Die Geschichte der Grafschaft Pyrmont, ihrer Ortsteile und ehemaligen Residenzstadt Lügde", dass diese Mühle im Pyrmonter Tal (Vorsicht, im Duisburger Stadtteil Hamborn gibt es auch eine Mühle!) im Jahr 1437 erstmals schriftlich erwähnt wurde. Leider ohne Quellenangabe.

Auf einer Ansicht von Pyrmont in Philipp Seips Buch "Beschreibung der Pyrmontischen Brunnen, ..." im Jahr 1717 ist die Hamborner Mühle deutlich zu erkennen. Später, in der 1785 erschienenen "Beschreibung von Pyrmont" des Mediziners Henrich Matthias Marcard, ist ein großer, gefalteter Kupferstich mit der einst als Ölmühle benutzten Wassermühle zu finden.

Als diese Mühle im Jahr 1874 abbrannte, wurde sie neu errichtet und zum Mahlen von Getreide genutzt. Einige der überlieferten Namen der Müller waren Strohmeyer, Keese, Emme, Schröder, Wesemann, Reinecke und Fölsche.

Da damals Kühl- und Gefrierschränke noch nicht erfunden waren, wurde zudem der Mühlenteich an der Hamborner Mühle an kalten Wintertagen zum Eismachen genutzt. Eingelagert in sogenannten Eiskellern oder Eisbunkern hielt dieses Natureis bis in den Herbst hinein, wodurch den Einwohnern über das Jahr hinweg gekühltes Bier (wohlbemerkt: Eis zum Kühlen - nicht zum Verwässern) und länger haltbare Fleisch- und Fischwaren zur Verfügung standen; das ist aber eine andere Geschichte.

Hamborner Mühle in den 1920ern

Nach 1910 stand das Gebäude leer. Im Jahr 1914 kaufte Heinrich Wienecke (1881-1966) Mühle und Ländereien von Heinrich Fölsche für 43.000 Mark, wie Dieter R. im Jahr 2021 in dem Archiv einer amerikanischen Zeitung recherchierte, und baute mit Ehefrau Dora (geb. Scheele) das vielen heute noch bekannte Ausflugslokal "Hamborner Mühle" auf. Die eigentliche Mühle wurde im Jahr 1918 abgerissen. Heinrich (Heinerle) Wienecke, über den ebenfalls Hermann Frede in "Alt Bad Pyrmont" schrieb, kam gebürtig vom Hagen. Ein Landwirt Wilhelm Wienecke, wahrscheinlich sein Vater, lebte 1913 auf dem Hagen Nr.16. Seine Vorliebe für Rassepferde und Pferdezucht zeigte sich besonders in Heinerles Hamborner Mühle, das mit kostbaren Pferdegeschirren im Vorraum und wertvolle Pferdegemälde im saalartigen Gastraum wie ein Museum anmutete. Bereits im Alter von 12 Jahren erhielt Heinerle eine Auszeichnung bei einem Reitturnier in Pyrmont. Seit Mitte der 1930er Jahre führte er bis kurz vor seinem Tod mit seinen Rassepferden, zuletzt einem weißen Araberhengst, den Festumzug anlässlich des Schützenfestes des Holzhäuser Schützenvereins an. Doch nicht nur im Talkessel, sondern im gesamten Landkreis Hameln-Pyrmont, im Lippischen und weit ins Westfälische war er bei Heimatereignissen durch seine Reitkunst und mit seinen Geschichten, Gedichten und Liedern als Heimat-Original bekannt.


Nach seinem Tod 1966 führte "Heinerles" 15 Jahre jüngere Frau Dora die Hamborner Mühle weiter. Zuletzt wurden Dittmar und Marlies Bugdahn als Betreiber vom Restaurant und 3-Sterne Hotel mit 5 Doppel- und 4 Einzelzimmern genannt. Heute ist es geschlossen.

Die Hamborner Mühle lag zwar postalisch immer auf dem Lügder Gebiet (Lügde #293) , trat nach außen aber häufig mit der Bad Pyrmonter Adresse Hamborner Weg auf.

Die Holzhäuser Badeanstalt

Bademeister Wilhelm Quante in den 1930ern mit Kopfsprung in den 1930ern
Bademeister Wilhelm Quante in den 1930ern mit Kopfsprung in den 1930ern


In Holzhausen entstand im Jahre 1932 eine Badeanstalt mit einem Nichtschwimmer- und einem Schwimmerbecken. Das Schwimmerbecken verfügte über einen Fünf- und einen Dreimeterturm, die auf dem Bild zu sehen sind und wurde von dem Schwimmverein Hamborner Mühle betrieben.

Aus der Lokalpresse 1932:

DeWeZet 19.4.1932

Holzhausen. Schwimmverein Hamborner Mühle. Die Arbeiten zur Instandsetzung des Teiches bei der Hamborner Mühle schreiten rüstig vorwärts. Zwar hat das andauernde regnerische Wetter den Arbeiten großen Abbruch getan, jedoch kann man erkennen, daß das Ziel noch rechtzeitig erreicht wird, weil der feste Wille dahinter steht. Man plant, schon in der Pfingstzeit mit einem Schauschwimmen an die Oeffentlichkeit zu treten, und hofft, die Mitglieder der Holzhäuser Turn- und Sportvereine zu einem Anschluß an den Schwimmverein zu gewinnen. Behufs [1]Aussprache mit den Interessenten soll in nächster Zeit eine öffentliche Versammlung stattfinden, in der jedem Schwimmfreund Gelegenheit gegeben ist, alles Wissenswerte über die Ziele des Schwimmvereins, insbesondere über die Vereinsfassungen zu hören. Der Tag wird in den Zeitungen noch bekanntgemacht werden.

DeWeZet 13.5.1932

Holzhausen. Am Hamborner Teiche ist jetzt ein großes Becken zum Schwimmen eingerichtet worden. An der tiefsten Stelle steht ein mächtiger, 5 Meter hoher Sprungturm mit zwei Stockwerken. Nach Bedarf und Wunsch soll hier noch tiefer ausgeschachtet werden. Zwei Sprungbretter in verschiedenen Höhen geben kühnen Schwimmern Gelegenheit zu Sprungübungen. An den Seiten ermöglichen Laufbretter ein bequemes Einsteigen. Das Schwimmbecken ist reichlich groß und hat durchschnittlich etwa 2 Meter Tiefe. Alle Besucher werden erfreut sein über die kristallklare Flut und über den vom Unrat befreiten Teich mit seinen neuen Einrichtungen. Ein nettes Bretterhaus, das den Schwimmgästen zum Aus- und Ankleiden dienen soll, gibt dem Bilde einen freundlichen Rahmen.

DeWeZet 18.5.1932

Bad Pyrmont. In den Pfingsttagen ist in der Nähe von Pyrmont ein neues Freibad eröffnet worden. Der neue Schwimmverein von Holzhausen hat es unternommen, den sogenannten ehemaligen Freudenstein bei der Hamborner Mühle gründlich zu reinigen, ihn einzufassen, Kleideräume zu errichten und hohe Sprunggerüste aufzustellen. Das Wasser ist reines Quellwasser, das an dieser Stelle übereifrig strömt, sodass die Pyrmonter Trinkwassermühlen damit gespeist werden; außerdem aber noch Kraft übrig bleibt für die Betriebe des Wasserwerks und der Hamborner Mühle. Umrahmt von prachtvoll wogenden Wiesen und schattigen Erlenwäldchen gewährt das Bad einen großen Reiz durch den kleinen Teichrand. Der eigentliche Badeplatz ist etwas tiefer, konstant bespült, und die hohe Wassertemperatur, die sich durch Zu- und Abfluss ständig frisch hält. Der neue Schwimmverein hat auch an schwächere Schwimmer gedacht, indem er kleine Becken hat ausheben lassen. An beiden Pfingsttagen war die neue Anstalt zahlreich besucht

DeWeZet 26.7.1932

Hamborner Schwimmfest

Bad Pyrmont, 25. Juli.

In einer Talsenkung zwischen Bad Pyrmont, Holzhausen und Lügde liegt die Hamborner Mühle. Die Lage der Hamborner Badeanstalt gewinnt durch die Naturschönheiten in hohem Maße. Der Hamborner Teich weist heute eine Länge von 60 Meter und eine Tiefe bis zu 4 Meter auf und besitzt alle Einrichtungen für besondere Veranstaltungen.

Das Schwimmfest am Sonntag verlief glänzend. Der Vorsitzende, Lehrer i. R. Eicken (Holzhausen), der sich große Verdienste um die Badeanstalt erworben hat, begrüßte das überaus zahlreich erschienene Publikum, insbesondere Bürgermeister Nolte, dem er neben dem hiesigen auch dem Hamelner Arbeitsamt seinen Dank abstattete. Er erwähnte rückblickend, daß hier die Grenze zwischen dem Teil, der als Grafschaft Pyrmont an Waldeck, und dem, der an das Bistum Paderborn 1667 fiel, festgelegt ist. Viele Sagen knüpfen sich an die Talsenkung.

Und nun die Veranstaltungen! Etwa 30 Kinder, die in diesem Jahre das Schwimmen erlernt hatten, mussten durch die 60 Meter lange Bahn hin und zurück schwimmen. Eine Eröffnungsstaffel über 4 mal 100 Meter zwischen dem Arbeitsdienstlager Pyrmont und dem Schwimmverein Hamborner Mühle folgte. Die Staffel wurde in 7 Min. um 22,5 Sek. vom letztgenannten Verein gewonnen.

Die weiteren Schwimmwettkämpfe erwarben sich die volle Zufriedenheit des Publikums und sahen bei den Knaben im Brustschwimmen über 100 Meter Fritz Webel, bei den Mädchen Anni Neumann als Sieger.

In den Herren-Wettkämpfen wurden sehr gute Zeiten geboten. Im Kunstspringen siegte Luttmann mit 87 Punkten vor Vietmeyer mit 85, Ostwald mit 83 und Quante mit 79 Punkten.

Unter den humoristischen Einlagen gefielen besonders die Erklimmung der Negerinsel, der Sprung des Schwimmmeisters in voller Militärausrüstung mit Gewehr vom 8 Meter hohem Turm, ebenso dessen Fahrt mit dem Rade ins Wasser, durch die er der Verfolgung durch den Schutzmann entkam. Etwas wohl nicht oft Gesehenes wurde dem Publikum durch die Fahrt in einer Autodecke vom 5-Meter-Turm geboten, wodurch Gerda Mecke (9 Jahre) und Walter Reineke (11 Jahre) ihren ganzen Mut bewiesen, zumal sie erst in diesem Jahre das Schwimmen erlernten.

Allerliebst war die Einlage, die durch die kleine, neunmalkluge Tänzerin Elisabeth Henning auf dem schwimmenden Floß bestritten wurde, der diese nette und anmutige Darbietungen viel Beifall brachte. Sehr belacht wurde auch das Tänzerpaar Lotte Schmidt und Herr Ostwald auf dem Floß, dessen Fall ins Wasser die Sanitäter in Tätigkeit treten ließ.

Beschlossen wurden die Darbietungen des Nachmittags durch ein Wasserballspiel zwischen den SHM und dem ADP, das zwar mit 7:0 ersteren Verein entschieden wurde, aber doch volle Anerkennung für den Einsatz fand.

Hervorgehoben sei noch die unermüdliche Tätigkeit des Schwimmmeisters Quante, der in Wahrheit die Seele aller ernsten und fröhlichen Unternehmungen ist.


  1. "Behuf" ist ein veraltetes Wort, das heutzutage kaum noch gebräuchlich ist. Es bedeutet so viel wie Zweck, Absicht oder Nutzen.
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