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Pyrmont - Geschichtliches vom Hotel Steigenberger Bad Pyrmont, das früher mal Kurhaus von Pyrmont hieß

Aus Geschichtliches aus Bad Pyrmont

In der vergangenen Woche beherrschte die Insolvenz des aktuellen Pächters des Pyrmonter Steigenberger Hotels, einst Kurhotel, die Schlagzeilen. Für mich Anlass genug, einmal auf die mehr als 125‑jährige Geschichte dieses „Ersten Hauses am Platze“ zurückzublicken:

Das Pyrmonter Kurhaus vor 1911
Das Pyrmonter Kurhaus um 1910
Prof. Dr. Adrian Schücking 1889
Architekt Heinrich Mogk am Schreibtisch, in der Mitte 1908
Nach dem Brand im Jahr 1911
Nach dem Brand im Jahr 1911

Es war der großen Energie des Frauenarztes Prof. Dr. Adrian Schücking (*1852 †1914) und der Oberwaldeckschen Abgeordneten im Waldeckschen Landtag zu verdanken, dass in den 1890er Jahren entgegen der Einwände mancher Pyrmonter Einwohner der Antrag für den Kurhausbau durchgesetzt und das Kurhaus 1899 fertiggestellt werden konnte.

Zwischen 1906 und 1908 (andere Quellen sprechen von 1903 bis 1909) wurde das Kurhaus zum Kurhotel um- und in unmittelbarem Zusammenhang das Obere Badhaus neu erbaut. Mit Planung und Durchführung beauftragt wurden die damals anerkannten Architekten Anton Karst und Hans Fanghänel aus Kassel. Für die Bauleitung vor Ort war ein junger Architekt namens Heinrich Mogk verantwortlich. Ein Blick in die Fachzeitschriften jener Zeit lässt erahnen, wie diese Bauprojekte damals aufgenommen wurden; die Berichte und Fotografien lassen noch heute erahnen, wie neuartig und zukunftsorientiert das Pyrmonter Kurhotel und Badehaus damals geplant und baulich umgesetzt wurde. Ideen, die heute oftmals als selbstverständlich wirken, damals jedoch als bemerkenswerte Schritte in eine moderne Bauweise galten. Für seine Leistung als bauleitender Architekt wurde H. Mogk im Anschluss vom Fürsten Friedrich von Waldeck-Pyrmont urkundlich mit dem Waldeckschen Verdienstkreuz IV. Klasse ausgezeichnet.

Nebenbei bemerkt: Heinrich Mogk (*1878 †1956) stieg ab 1905 zu dem Ersten Architekten Pyrmonts auf. Unter anderem wurden von ihm verantwortlich in Pyrmont erbaut die Villen in der Parkstraße und der Schloßstraße, Haus Hölscher am Kaiserplatz, ...,  sowie Zweckbauten wie das Postamt in der Bathildisstraße und in den 1950er Jahren der jetzige Altbau der Max-Born-Realschule und die Holzhäuser Kirche, um nur einige zu nennen. Als Kommunalpolitiker wurde er im Dezember 1945 von der britischen Besatzungsmacht als Bürgermeister von Bad Pyrmont eingesetzt und blieb es bis Mai 1946.


1911 brannte das Kurhaus. Durch dieses Unglück, welches die Pyrmonter Fotografen Ernst Hermann und Paul Stecher im Bild festhielten, war auch der Saal zusammengebrochen, sodass bis zum Jahr 1928, bis zur Einweihung des Konzerthauses, für große Veranstaltungen der geeignete Raum fehlte.

Nach dem Brand 1911 und der teilweisen Zerstörung erhielt das Kurhotel sein heutiges Aussehen. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde das Kurhotel bis 1919 als Lazarett benötigt. Auch den Zweiten Weltkrieg überstand das Kurhotel nahezu unbeschadet. Als Lazarettstadt blieb Bad Pyrmont im Krieg von Bomben verschont. Doch was die Kriegswirren nicht zerstörten, erledigten später Politiker und Eigentümer – mit ihrem (Un)Sinn für den modernen Zeitgeist jener Tage gegenüber den historischen Bauten. Das Kurhotel blieb von alledem jedoch verschont. Wie im 1. Weltkrieg wurde das Kurhotel auch im 2. Weltkrieg ab 1939 teilweise und ab 1941 komplett bis zur Fertigstellung des Versorgungskrankenhauses (Arbeitstitel zunächst Versehrtenkrankenhaus) als Behelfskrankenhaus genutzt und stand erst ab Saison 1954 nach Fertigstellung des Versorgungskrankenhaus (heute Bathildiskrankenhaus) und einer notwendigen Renovierung, man spricht von Kosten in Höhe von ca. 3 Mio. DM, als Hotel wieder zur Verfügung.

Zu dem Gebäudenamen „Oberes Badehaus“: Nach zunehmender Kritik von Kurgästen über die nüchternen Namen von hochwertigen Heilquelleneinrichtungen ergab sich 1950 nach reger Bürgerbeteiligung folgender neuer Name:

  • Oberes Badehaus → „Heiligen Anger-Bad“

Der Vollständigkeit halber erhielten auch neue Namen:

  • Unteres Badehaus → „Salinenbad“
  • Neues Gasbadehaus → „CO₂-Trockenbad“
  • Hauptquelle → „Der Hyllige Born“
  • Starke Salztrinkquelle → „Hufelandquelle“
  • Neue Salztrinkquelle → „Schäferquelle“



In der Folgezeit wurde das Kurhotel in den Tourismus-Katalogen als Erstes Haus am Platze präsentiert. Jedoch schwanden die Gewinne und wurden schlussendlich zu Verlusten; ein Phänomen, das man auch bei anderen lange Zeit gut laufenden Organisationen / Firmen finden kann. 1986 bezifferte sich der Jahres-Verlust des Hotels auf 3 Mio. DM. Die notwendigen Renovierungssummen wurden im Folgejahr auf 130 Mio. DM + 20 bis 30 % für den Eigentümer (Land Niedersachsen) beziffert. (@Heinz Gustav Wagner: Ich hoffe, ich habe die Situation in den 1980er Jahren korrekt wiedergegeben; ansonsten bitte ich höflichst um Korrektur).
1993, nach Abschluss der Renovierungsarbeiten, übernahm die Steigenberger AG den Betrieb des Hotels als Pächterin. Zum 1. Januar 2023 ging der Pachtvertrag auf die Grandhotel Bad Pyrmont GmbH, eine private Betreibergesellschaft, über, die im Februar 2026 Insolvenz anmeldete. Eigentümer ist weiterhin das Land Niedersachsen. Der Hotelname bleibt aktuell der Steigenberger-Markenname.

Bilder aus der Digitalen Universitätsbibliothek Heidelberg: aus Baumeister - das Architektur-Magazin — 6.1908

Werbung der an der Renovierung des Kurhotels beteiligten Unternehmen


Quellen:

Walter Dietrichkeit(†): Chronik der Pyrmonter Liberalen, 1991
Digitales Archiv des Museums im Schloss, Bad Pyrmont
Digitalen Universitätsbibliothek Heidelberg: aus Baumeister - das Architektur-Magazin — 6.1908
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