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Kategorie:FriedrichWebel

Aus Geschichtliches aus Bad Pyrmont

Hermann Trost schrieb als Herausgeber 1989 im Vorwort zu "Pyrmont Damals" :

Friedrich Webel
Vier Jahre nach der Jahrhundertwende, als Kaiser und Fürst noch fest im Sattel saßen, kam in Oesdorf, bei Familie Webel ein kleiner  Junge zur Welt. Seine Eltern nannten ihn Friedrich.
Er wuchs heran,  besuchte in Pyrmont die Schule und machte seine Jungenstreiche. Den Großvater staunte er besonders an. Hatte er doch   den seltenen Beruf eines Pyrmonter Straßenbahnschaffners.
Nach der Schulzeit erlernte Friedrich Webel das Handwerk der Dachdeckerei. So kannte er seine Heimatstadt bald auch von oben. Viele  Jahrzehnte blieb er seiner Zunft treu. Nach Beendigung der Berufstätigkeit brachte Friedrich Webel eine neue Farbe in sein Le­ben. Wie viele Menschen es tun, legte er sich ein Hobby zu. Er begann alte Pyrmonter Postkarten zu sammeln. Er sammelte und ordnete, füllte ein Album um das andere und heute (1989) besitzt der 85jährige einige tausend Ansichten seiner Heimatstadt. Nicht nur Postkarten sind es, auch andere Abbildungen von Personen und Begebenheiten, die diese Stadt betreffen.
Ein einmaliger Schatz ist es, den Friedrich Webel zusammengetragen hat.
Könnte man es doch beschreiben wie er sich in den zahlreichen Alben auskennt, sofort, wenn er etwas sucht, das richtige Album greift und die richtige Seite aufschlägt.
Doch damit nicht genug. Er hat zu fast allen Bildern eine Story parat. Oft sind es persönli­che Erlebnisse, die mit den Abbildungen verbunden sind. Er überblickt ja fast unser ganzes Jahrhundert.
 
Meine erste Begegnung mit Herrn Friedrich Webel liegt etwa ein Jahrzehnt zurück.
Es war an einem Sonntagmorgen im Heimat­museum. Von Schlosssanierung war zu der Zeit noch nichts zu sehen. Das Pyrmonter Heimatmuseum   hatte seine Räume im Seiten­flügel des Fürstenhofs und wurde von Herrn Heinrich Spieß liebevoll und ehrenamtlich geleite  t und als  Museumswartin waltete Frau Lucie Caspari und kassierte die fünf Groschen Eintritt. Fast alle Exponate des heutigen Stadt- und Badmuseums waren dort schon zu finden. Nur die Räume und die Rahmen waren nicht so wertvoll. Wer in diesem lie­benswerten Chaos suchte, konnte  Schätze ent­decken.
Mein erster Eindruck von Herrn Webel bei unserer ersten Begegnung: Groß, aufrecht, stattlich. Mein zweiter Eindruck: Die sehr laute  Stimme. Damals wußte ich von seiner Schwerhörigkeit noch nichts.

Wir begegneten uns häufig Sonntags gegen 11.00 Uhr im Heimatmuseum. Damals interessierte ich mich für die Pyrmon­ter Ehrenbürger. Im  Museum und im Stadtar­chiv hatte ich vergeblich ein Bild von Dr. Harnier, einem der Ehrenbürger, gesucht. Als ich Herrn Webel das sagte,   meinte er nur kurz: »Hab ich«. Am nächsten Sonntag griff er wortlos in die Tasche und zog das Bild von Dr. Harnier heraus. Damals war  ich verblüfft. Heute weiß ich, daß Herr Webel viele Abbildungen besitzt, die sonst an keiner Stelle dieser Stadt existieren. Eine Reihe  gleicher Erfahrungen führte etwa Mitte 1988 zu der Idee, einen kleinen Aus­schnitt aus der Sammlung und den Sammler, durch eine Broschüre etwas bekannter zu machen. Durch widrige Umstände gab es bei den vorbereitenden Arbeiten einige Pro­bleme, die das Erscheinen des Bandes verzö­gerten.
Die Auswahl der Motive traf Herr Webel. Es war nicht leicht, die vielen, vielen Bilder, die hier nicht erscheinen, auszusondern.
Als die Reproduktionen der Bilder fertig waren, wurden sie aufgeklebt und numeriert. Mit diesem Bildheft und einem Tonbandgerät ging  ich zu Meister Webel. Beim Durchblät­tern wurden seine Worte mitgeschnitten. Sie bilden - zum Teil wörtlich - die Grundlage der    Bildunterschriften. Exakte Datierung der Fotos wurde nicht angestrebt. Viel interessan­ter war es für mich, die kleinen Details und die manchmal kritische, manchmal humorvolle Sicht in die erlebte Vergangenheit Pyrmonts, von Friedrich Webel festzuhalten. Einem Mann, der  seine Vaterstadt liebt.

April 1989 Der Herausgeber Hermann Trost

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