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Pyrmonter Gaststätten, zu früh von uns Gegangene und die Reintour mit einer Holzhäuser Legende

Aus Geschichtliches aus Bad Pyrmont

Habe ich in den letzten Monaten doch schon über das ein oder andere Lokal gepostet, darf in dieser Aufzählung auf keinen Fall ZUR WARTE fehlen. Für uns Alteingesessene hieß es natürlich bei Britten. Leider musste der letzte Britten Henjes, einer der letzten richtigen Granatenkerle, auch viel zu früh von uns gehen. Und so fielen mir auch Rolli von der Kate, aber auch Lohstädts Thomas von Lembkes ein. In Gedanken die diversen Kneipen aufzählend, erinnerte ich mich an eine Reintour ( mal hier rein, mal da ein ) mit einem, auch viel zu früh verstorbenen Holzhäuser. Schon zu Lebzeiten eine Legende, ein Urviech ( im besten bayerischen Sinn), einer, der im Alleingang, mal eben eine Lokalität von marodierenden Rockern / Zuhältern säuberte, einer der letzten echten Schmiedemeister.

Die Kate in den 1970ern

In den letzten Wochen meiner Schulzeit wollte ich abends noch ein Bier trinken, lieh mir das Fahrrad meines Vaters und fuhr zur Kate. Dort traf ich auf Altenberends Karl. Als alte Holzhäuser, mit ein wenig Durst, tranken wir erst einmal 4-5-6 Bier. Dann mussten wir aber auch unbedingt gegenüber, bei Britten, Guten Tag sagen. Dort nahmen wir dann erstmal so 4-5-6 Biere zu uns. Zu dieser Zeit reifte in uns schon der Entschluss, den Heimweg gemeinsam anzutreten. Da ich ja einen fahrbaren Untersatz ( Papas Rad ) dabei hatte, wählten wir als Route, statt der für Fahrradverkehr gesperrten Anlagen, lieber die über sichere Straßen. Ich fuhr als erster, Karl auf dem Gepäckträger. Mit diesem Gewicht entwickelte sich eine dramatische Schussfahrt die Bäckerstraße herunter. Gerade noch schaffte ich es, das Rad anzuhalten

Zur Warte in den 1960ern
Die Tenne in den 1970ern
Schillerstraßenteilhang 1937 und 2021

Sichtlich unter Schock stehend, meinte Karl, ich müsste unbedingt, aus medizinischen Gründen, etwas trinken. Glücklicherweise standen wir just vor der Tenne. Dort wurden wir überaus freundlich empfangen und setzten alsbald ( so nach 4-5-6... ) die Heimfahrt fort. Aber eine solche Fahrt ist doch sehr anstrengend, und mein Elektrolythaushalt geriet sehr schnell aus den Fugen. Da wir aber schon den ganzen Abend Glück hatten, kam uns die Bürgerstube sehr zu pass.

Die Alte Bürgerstube in den 1960ern

Nach, na ihr wisst schon, setzten wir, nunmehr mit Karl als Fahrer, die Reise fort. Er legte einen rasanten Start hin, kam aber doch schnell an seine Grenzen. Gott sei Dank waren, trotz der vorgerückten Stunde, Thomas und Schnulli ( Lembke ) noch vor Ort und..... Aus Sicherheitsgründen, es ging ja nun den Schillerstraßensteilhang hinauf, bestritt ich den Rest der Fahrt. Dabei fällt mir gerade ein, da muss rechterhand, auf halber Höhe noch so eine Lokalität gewesen sein, deren Name mir aber, bei bestem Willen, nicht einfallen darf. Kurz um, ich lieferte Karl wohlbehalten in der Schulstraße ab, schob zum Bruche und versteckte erstmal Papas Rad.

Der geneigte Leser wird sich jetzt fragen -schob - versteckte?

Nachdem ich halbwegs wieder meine kognitiven und physischen Fähigkeiten erreicht hatte, brachte ich das Rad zur Schmiede. Auf den letzten Metern hatte der Rahmen einen Bruch erlitten, den Karl durch eine sehr diskrete und exzellente Schweißnaht reparierte.

Bis mein Vater es bemerkte, war ich schon nicht mehr vor Ort, sondern sorgte allein schon durch meine imposante Erscheinung, dem locker in der Armbeuge schwingendem Gewehr und der kampfstarken grünen Kleidung dafür, dass der Russe sich niemals getraut hätte, in Deutschland einzumarschieren.

(von Dieter Rosenbaum, 2021)

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