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Aus Geschichtliches aus Bad Pyrmont
Version vom 12. März 2026, 17:21 Uhr von FrankSchlutter (Diskussion | Beiträge) (Beschreibung)
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Beschreibung

Ausstellungskatalog Ernst Hermann – Farbfotografie 1910–1920

Fotografen spielen in jedem Kurort Europas eine besondere Rolle. In ihren Ateliers werden die Honoratioren ihrer Stadt, werden die Kurgäste portraitiert, die Fotografen erhalten die Aufträge, Bildmaterial für Hausprospekte, für die Illustration von Publikationen oder für Prospektmaterial allgemein anzufertigen. Kurzum, im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts setzt der Siegeszug dieses neuen Mediums ein. In Pyrmont sind es zwei Fotokünstler, der Hoffotograf H. Schlitzberger und P. Stecher, die sich den „Markt“ teilen. Einen Markt, der in der Zeit um die Jahrhundertwende mit exzellenten Schwarz-Weiß-Fotografien versorgt wird. Im Jahr 1909 sollte sich dies ändern: Am 3. Juni jenes Jahres erscheint in der Kurund Fremdenliste des Fürstlichen Bades Pyrmont erstmals eine Anzeige des Fotografen Ernst Hermann (1875–1956). Unter dem großen Namensschriftzug weist die Annonce auf die neu eröffnete „Handlung photographischer Artikel im Fürstlichen Kurhotel“ hin. Mit dem Stichwort „Photographie moderne“ werden auch Fotografien auf Postkarten in künstlerischer Ausführung angeboten. Von nun an wirbt E. Hermann regelmäßig für seine künstlerischen Arbeiten, die sich allerdings in einem Punkt von den Werken seiner Mitbewerber unterscheiden. Er nutzt die modernste, im Jahre 1907 in Lyon entwickelte Kunst der Farbfotografie. Diese sog. Autochromeplatten, damals auf den Markt gebracht von den Brüdern Auguste und Louis Lumiere, sind das erste praktikable und fabrikmäßig betriebene Verfahren, um in drei Farben drucken zu können. Für Ernst Hermann wird dies der Ausgangspunkt für eine einzigartige Karriere als Berufsfotograf in Bad Pyrmont. Was wissen wir nun über diesen Fotokünstler? Geboren und aufgewachsen ist er als Sohn eines Bäckermeisters im hessischen Selters. Noch vor der Jahrhundertwende wandert er aus in die Vereinigten Staaten von Amerika, ist dort im Tabakwarenhandel tätig. Vor dem Jahr 1900 kehrt er zurück nach Deutschland und betreibt in Frankfurt „Auf der Zeil“ ein Tabakwarengeschäft. In dieser Zeit lernt er den Landschafts- und Portraitmaler Karl Heinrich Küpper kennen. Durch diesen Kontakt bekommt er Zugang zur damaligen zeitgenössischen Kunst. Mehr und mehr faszinieren ihn die modernen Kunstströmungen seiner Zeit. Er erwirbt seine erste Plattenkamera und entwickelt als Autodidakt zunehmend eine intensive Leidenschaft zur Fotografie. 1905 beginnt er zusammen mit seinem Freund Küpper Ladengeschäfte in San Remo, dann in Davos anzumieten, um dort einem exklusiven Publikum während der Saison Fotografien, aber auch Gemälde von Küpper anzubieten. 1909 wird er erstmals, wieder mit seinem Malerfreund Küpper, im vornehmen Pyrmonter Kurhotel, das gerade erst von1905– 1907 erbaut worden ist, ein Ladengeschäft für die Kursaison mieten. Die nächsten beiden Jahre wird dieses unstete Leben zwischen Davos, San Remo und Pyrmont fortgeführt – dann trennen sich im Jahr 1911 die Wege von Hermann und Küpper. Mit der Heirat von Adelheid Büchting aus Hannover im Jahr 1913 gibt er sein unruhiges „Künstlerleben“ auf. Lediglich im Winter 1913/14 arbeitet Ernst Hermann noch einmal als Fotograf im Wintersportort Davos – dann wird der Kurort Pyrmont endgültig sein Lebensmittelpunkt. In dieser Zeit, genauer ab 1911 publiziert Hermann Bildbände wie „Farbenphotographische Aufnahmen aus dem Bad Pyrmonter Kurparke“, verlegt kunstvolle Farbpostkartenserien und Leporellos, fotografiert häufig seine Frau als Modell in den Kurparkanlagen, aber auch in biedermeierlich inszenierten Interieurs und liebt es vor allen Dingen, in der Sommersaison im Kursaal oder im Kurtheater anspruchsvolle Lichtbildervorträge zu halten. „Projektionen von über 100 Lichtbildern in einer Größe von 3½ Meter“, so liest man in den Anzeigen. Den lebhaftesten Beifall finden damals Aufnahmen mit Pyrmonter Motiven und Stilleben, die eine Farbenpracht zeigten, wie sie ein Gemälde nicht besser wiedergeben kann. 1915 und 1921 werden die beiden Söhne Ernst Otto und Heinz geboren, aber die Ehe mit Adelheid wird 1924 geschieden. In diesem Jahr verlegt Hermann sein Fotogeschäft in die gerade eingeweihte Wandelhalle. In Hinblick auf die Nähe zu den Kurgästen ist dies ein noch attraktiverer Standort für sein Unternehmen. Im Jahr 1928 heiratet Ernst Hermann seine zweite Frau Luise, gen. Mia. Das Fotogeschäft zieht erneut um, diesmal in das renommierte Haus Hemmerich am Eingang zur Brunnenstraße. 1934 wird hier auch das 25-jährige Firmenjubiläum gefeiert. Wann der erneute Umzug in das Haus Lyncker in der Brunnenstraße 46 erfolgt, ist nicht gewiss. Sein Sohn Heinz Hermann übernimmt im Jahr 1955 dieses Geschäft. Um dieses biografische Kapitel an dieser Stelle abzuschließen. Heinz und Anneliese Hermann, die das Foto-Unternehmen von Ernst Hermann dann zuletzt im Postweg betreiben, haben den gesamten künstlerischen Nachlass von Ernst Hermann 1986 dem Museum im Schloss Bad Pyrmont übereignet. Das umfasst die Sammlung der Autochromeplatten, die Farbfotografien, Schwarz-Weiß-Fotografien, die Plattenkameras, den Revolverbetrachter der Firma Mattey aus Paris, Postkarten und Bücher, aber auch Fotoalben und Bilder von seinen Aktivitäten in Davos und San Remo. 1987 findet eine erste Ausstellung und eine Würdigung der künstlerischen Leistung von Ernst Hermann im Pyrmonter Schloss statt. Später wird sein Werk auch in Bad Wildungen und in der italienischen Partnerstadt Anzio in Erinnerung gerufen. Was ist nun das Besondere am künstlerischen Werk des Fotografen Ernst Hermann? Dr. Enno Kaufhold, Berliner Fotohistoriker und Co-Autor im damaligen Katalog, beschreibt dies so: „Mit den Autochromen aus dem Nachlass von Ernst Hermann ist ein zu Unrecht in Vergessenheit geratener Fotograf buchstäblich wieder ans Licht geholt worden. Den damit aufgetauchten Inkunabeln der Farbfotografie und mithin auch dem Fotografen kommt der Wert zu, die Entwicklung der berufsmäßigen und hier speziell der kommerziellen farbigen Fotografie in den Jahren zwischen 1910 und 1920 anschaulich werden zu lassen.“ (Kat., S.13). Tatsächlich kann man heute eine Wechselbeziehung zwischen der Malerei jener Zeit und der Idee Hermanns herstellen, in der die Komposition einer Fotografie eine deutliche Rolle spielt. Das gilt besonders bei den Themen Stillleben, Interieurs, das betrifft aber auch die Inszenierung von Parkanlagen, vom ländlichen Leben, ja selbst von Arbeitsdarstellungen. Hermann erfüllt alle Anforderungen, die an einen Bäderfotografen gestellt werden, mit höchster Perfektion. Aber er ist auch dem Gedanken der Heimatpflege verpflichtet. Er appelliert in jedem Fall über das Medium der Farbfotografie an den Betrachter, das bildlich Festgehaltene als etwas Wertvolles zu bewahren. Eben das, was auch die Malerei in jener Anfangszeit des 20.  Jahrhunderts ausdrücklich formuliert sehen möchte. Ernst Hermann reagiert sensibel auf die Möglichkeiten, den Blick auf den Ausbau des Kurortes Bad Pyrmont zu beschreiben. Er nutzt die Farbfotografie als zeitgemäßes Ausdrucksmittel, um für die Schönheit des Ortes, aber auch der naheliegenden Dörfer und Sehenswürdigkeiten zu werben. Seine Fotos sind damals Botschafter für die besondere Attraktivität Bad Pyrmonts und für die Schönheit des Weserberglands.

Lizenz

Rechteinhaber Museum im Schloss Bad Pyrmont, Namensnennung - NichtKommerziell (BY-NC 4.0)

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