Evangelische Stadtkirche zu Pyrmont 1877
Evangelische Stadtkirche zu Pyrmont 1877 - Kirchenbauer August Orth.



Heute ist neben dem Brunnentempel, der Hauptallee, der Fontäne und dem Fürstlichen Schloss die Stadtkirche Bad Pyrmont, auch in Kombination mit dem darunterliegenden Brunnenplatz, eines der Wahrzeichen Pyrmonts und diente in den letzten 150 Jahren vielfach als Motiv für Zeichnungen, Gemälde und Fotos. Mit zunehmender Bebauung des Gebietes zwischen Oesdorf und Holzhausen ab dem späten 16. Jahrhundert und der steigenden Anzahl Kurgäste fehlte eine Kirche für die Neustadt Pyrmont, zumal die frühzeitliche Kapelle in Holzhausen den Angriffen in den ersten Jahren des Dreißigjährigen Krieges zum Opfer fiel und nicht wieder errichtet wurde und die Oesdorfer Kirche laut Überlieferungen um 1667 durch Brand größtenteils zerstört und danach nur unzureichend und nicht sehr repräsentativ wieder erbaut wurde.
Somit gab es bereits kurz nach Erlangung der Stadtrechte Pyrmonts Überlegungen über den Bau einer Kirche im Zentrum/dem Kurbezirk von Pyrmont. Trotzdem gingen noch weitere 150 Jahre ins Land, bis die Stadtkirche fertiggestellt war. Dies lag zum einen am ursprünglich gewählten Standort Altenauplatz/Kirchstraße, der sich während des Baues als nicht tragfähig genug erwies, und zum anderen am Regentenwechsel und an den politischen Wirren der damaligen Zeit. Nach der Wahl des neuen, heutigen Standortes, wurde die Kirche zwischen 1872 und 1877 für 140.000 Mark vom Berliner Architekten und (Kirchen-)Baumeister August Orth entworfen und von Friedrich Gösling als verantwortlichem Baumeister errichtet. Das Bild zeigt die Kopie einer Zeichnung der Stadtkirche, die im Architekturmuseum Berlin aufbewahrt wird. Früheste Erinnerungen verbinden mich mit der Stadtkirche, obwohl ich sie nur wenige Male betrat. Noch heute habe ich das Bild vor Augen, als ich mit zwei Jahren in der Sportkarre vom Brunnenplatz zur Brunnenstraße geschoben wurde und die Glocken der Stadtkirche läuteten. Beim Blick in Richtung Kirche erkannte ich durch die Fenster des Glockenturms schemenhaft die Gestalt des Glöckners, an einem Seil kraftvoll auf- und abschwingend. Diese Szenerie muss mich sehr beeindruckt haben, da ich sie bis heute nicht vergessen habe.