Bad Pyrmont - Brunnenstraße 16 und 17
Das Amtshaus Ortgies
Heinrich Orgties war am 11. Juni 1664 als Amtmann der Grafschaft Pyrmont angestellt worden und trat den Dienst am 1. Juli an. Das alte Amtshaus war allerdings so baufällig, dass es der Graf 1669 an den Amtsschreiber Bernhard Judenherzog verkaufte, der es abriss und dort das heutige Bethesda errichtete. Heinrich Orgties erbaute dafür 1668-1670 zwei neue Häuser, das Haus Brunnenstraße Nr. 16 („Alten Fritz“) und das ehemalige dahinterstehende Haus Brunnenstraße Nr. 17. Der bis heute erhaltene Inschriftenbalken des Hauses Nr. 17, von dem leider die obere Zeile verloren gegangen ist, hat die folgende interessante Inschrift: „HOC DOMINUS ET GRATIAS IN HOSPESMAEAT / HENRICH ORTGIES MARGARETA M BARKHAUSEN / SEIPSVM NOSSCI SVMMA SAPIENTIA / ANNO DOMINI 1670“ = „Dem Herrn zum Dank (für die) freundliche Aufnahme, Heinrich Orgties (und) Margareta M. Barkhausen. Sich selbst erkennen ist die höchste Weisheit. Im Jahre des Herrn 1670“.[1]

Das Haus Brunnenstraße 16, besser bekannt als der "Alte Fritz", zählt zu den ältesten Häusern dieser Straße. Im Jahre 1668 wurde es von dem Amtmann Ortgies als repräsentatives Wohnhaus errichtet. 1705 logierte hier Georg I. von England, damals noch Hannoverscher Kurfürst. Friedrich II. von Preußen wohnte hier in den Jahren 1744 und 1746. Damals hatte der Pyrmonter Badearzt Seip dieses Haus für seine Brunnengäste erworben. Später kam es in den Besitz der Familie Windel. Unter dem Namen "Richters Pension", gegründet 1869, war es eine gute Adresse für Kurgäste von Pyrmont. Christian Holborn leitete ab 1895 diese Pension, zu der drei weitere Häuser in einer weitläufigen Gartenanlage zählten.[2]

Das repräsentative Fachwerkhaus am Ende der Brunnenstraße (17), Richtung Oesdorf, wurde 1668 vom Pyrmonter Amtmann Heinrich Ortgies erbaut. Das zweigeschossige Gebäude diente über Jahrhunderte als Unterkunft für namhafte Kurgäste: unter anderem für den hannoverschen Kurfürsten und späteren englischen König Georg I. sowie in den Jahren 1744 und 1746 für den preußischen König Friedrich II., den „Alten Fritz“.
Später wurde das Haus auch unter diesem Namen bekannt, als Christian Holborn ab 1895 die Pension „Richters Pension“ führte. Damals reichte das Gartengelände der Brunnenstraße bis zur Rathausstraße – eine parkähnliche Anlage mit weiteren Logierhäusern und gesellschaftlichen Treffpunkten.
Von einem dieser Häuser handelt der folgende Abschnitt. Der sommerliche Kuraufenthalt in Pyrmont war beliebt, und die Brunnenstraße entwickelte sich früh zur Straße der Hotels und Pensionen für anspruchsvolle Gäste. Eine besondere Rolle spielte der Brunnenarzt Dr. Johann Philipp Seip, der 1720 zu den Mitbegründern der Aktienstadt Pyrmont gehörte. Ihm gehörte das stattliche Haus Brunnenstraße 3, das für seine prominenten Badegäste oft zu klein war. Nach den Erfahrungen mit Zar Peter dem Großen erwarb Seip das Gelände Brunnenstraße 16, auf dem sich neben dem großen Fachwerkhaus auch ein kleineres Gartenhaus befand.
Die bekannte Fotografie zeigt die Rückseite dieses Hauses mit Blick auf den Garten Richtung Rathausstraße. In diesem Gartenhaus wohnte Friedrich II. während seiner Aufenthalte 1744 und 1746 – zurückgezogen, mit Zeit für seine Amtsgeschäfte und für seine private Leidenschaft, das Flötenspiel.[3]
Am 22.02.2016 schrieb Wolgang Warnecke in den Pyrmonter Nachrichten über das Amtshaus von Henrik Ortgies (Auszug):

Amtshaus Henrich Ortgies Das Amtshaus Henrich Ortgies war ein Verwaltungs- und Wohngebäude an der Brunnenstraße in Bad Pyrmont. Es diente im späten 17. Jahrhundert als Amtssitz des Amtmanns Henrich Ortgies und stand in engem Zusammenhang mit dem Ausbau Pyrmonts zu einem Kur- und Badeort. Historischer Kontext Nach dem Pyrmonter Hauptvergleich von 1668 fiel die Grafschaft Pyrmont an das Haus Waldeck. Unter Fürst Georg Friedrich zu Waldeck‑Pyrmont wurden die ersten planmäßigen Kuranlagen angelegt, darunter der achteckige Brunnentempel am Heiligen Born und die Hauptallee. In dieser Ausbauphase entstand auch das Amtshaus, das Ortgies als leitender Verwaltungsbeamter nutzte.
Torgiebelinschrift IN NOMINE DOMINI NOSTERI JESU CHRISTI: IN DEO SPES MEA: HENRICH ORTGI(E)S * MARGARETA: M: BARCKHAUSEN /x SE IPSUM NOSSCI SUMMA SAPIENTIA ANNO DOMINI 1670 („Im Namen unseres Herrn Jesus Christus: In Gott ist meine Hoffnung. Henrich Ortgies und Margareta M. Barckhausen. Sich selbst zu erkennen ist die höchste Weisheit. Im Jahre des Herrn 1670.“) Bauform Das Gebäude war ein verputztes Durchgangsgiebelhaus mit Krüppelwalmdach. Der Torgiebel zeigte Pilaster mit korinthischen Kapitellen und dekorativen Lanzettformen. Später wurde das Haus unter dem Namen Haus Hofschild geführt. Abriss und Erhalt 1977 wurde das Gebäude abgerissen. Erhalten blieb lediglich der Torgiebel, der heute als bauliches Relikt an das frühere Amtshaus erinnert. Eine Fotografie von 1971 dokumentiert den Zustand kurz vor dem Abriss. Heute befindet sich an dieser Stelle der Osttrakt der Dana Seniorenresidienz

R.B. schrieb 2022 zur Karte von 1879
Meine Mom hat in den 1950/1960 Jahren in Richters Pension gearbeitet und wir haben im Hinterhaus gewohnt, war eine schöne Kindheit..
R.A. schrieb 2022 zur Karte von 1879
Was für eine süße Karte und Geste an die Gäste des Hauses. Auch nicht uninteressant die Firma Edler und Krische in Hannover. Sie haben, ich habe es gerade nachgelesen, damals schon überregional in größerer Stückzahl Werbungskarten fabriziert. Später bekam ja der Alte Fritz den uns bekannten typischen Vorbau/Galerie mit Balkonen.