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Pyrmont - Fotografieren in den 1950er Jahren

Aus Geschichtliches aus Bad Pyrmont
Fototasche/-Mappe Hermann
Fototasche/-MappeValtingojer

Von Zeit zu Zeit schaue ich mir angebotene Artikel mit Bezug zu Bad Pyrmont auf eBay an. In der vorletzten Woche wurden zwei Fototaschen/Fotomappen mit Negativen im Format 6x9cm einer Pyrmonter Einwohnerin von den Fotografen Hermann und Valtingojer zu günstigen Preisen angeboten.

Ich stieg mit einem geringen Euro-Betrag ein und erhielt beide Artikel zum Einstiegsgebot. Den Lokalgeschichtsinteressierten sind die Pyrmonter Fotografen Ernst Hermann und Maria Valtingojer ein Begriff. Beide boten seinerzeit Fotoartikel und -arbeiten für Hobby-Fotografen an.

Das Fotografieren war für den Nachkriegsnormalbürger zeitaufwändiger als heutzutage. Man fotografierte meist mit Rollfilm Schwarz-Weiß und brachte den Film, wenn sämtliche Bilder verknipst waren, zum Entwickeln ins Fotogeschäft. Eigene Fotos waren in den 1950er Jahren noch etwas besonderes, nicht zu vergleichen mit der heutigen Fotoflut, die im zweiten Schritt nach der Aufnahme noch "verschönert" und immer häufiger leider auch verfälscht werden.


Aber weiter zu den von mir gekauften eBay-Artikeln: Mich interessierten beim Kauf nicht so sehr die Bilder, sondern vielmehr die Preise für Negativ- und Bild-Entwicklung. Festzustellen war zunächst, dass beim Entfernen des/der Rollfilme aus der Kamera nicht sorgsam genug beim Zurückspulen vorgegangen wurde und es zu Überbelichtungen und Lichtflecken des Filmes kam. Bei der Abgebildeten handelt es sich aufgrund von Name und Adresse auf der Fototasche höchstwahrscheinlich auf den Fototaschen um die Holzhäuserin Auguste Ritterbusch, wohnhaft Am Bruche 16, die 1959 im Alter von 73 Jahren starb.

Als Nächstes recherchierte ich, welche Fotografen in Pyrmont in den 1950er Jahren professionell arbeiteten. Dabei half mir ein Beschluss der ersten deutschen Bundesregierung. 1950 beschloss diese, den stahlgrauen Personalausweis für alle Bundesbürger ab 16 Jahren einzuführen. In Hameln scheiterte die Umsetzung 1951, weil nicht genug Blanko-Ausweise verfügbar waren. Im Juli 1952 führte Pyrmont die Ausweispflicht ein. Stadtdirektor Dr. Hesse wies auf das Antragsverfahren hin: Dem Antrag war ein Passbild beizufügen – entweder 38×52 mm oder 45×60 mm groß. Die Person musste darauf ohne Kopfbedeckung im Halbprofil abgebildet sein, sodass ein Ohr sichtbar war. Die Kopfgröße auf dem Foto sollte zwischen 15 und 18 mm betragen.

Um Beanstandungen zu vermeiden, benannte die Verwaltung ortsansässige Fotografen, die vorschriftsmäßige Passfotos anfertigten. Minderbemittelte Einwohner erhielten einen Berechtigungsschein für ein kostenloses Passbild, dessen Kosten der Kreis übernahm.

Die aufgeführten Fotografen waren:

  • Foto-Bosse (Otto), Seipstraße 5 /Wandelhalle (1901-1968), Otto Bosse verstarb bei einem Unfall
  • Foto Frost (Alfred), Brunnenplatz 1, Uwe Wruck war hier Azubi-Fotograf
  • Foto Hermann (Ernst) Brunnenstraße 46, Fotonachlass im Museum im Schloss, Bad Pyrmont
  • Fotohaus Jürgens (Henny), Am Hylligen Born, gegenüber der Helenenquelle - Fotos von Henny Jürgens hat wohl nahezu jeder, der in den 1950er und 1960er Jahren in Pyrmont wohnte und auf der Straße Am Hylligen Born in Richtung Helenenquelle unterwegs war.

Im Jahr 2022 schrieb Chaelotte Klein:

Bevor Henny Jürgens nach Pyrmont kam, hatte sie ihr Geschäft in Bünde an der Bahnhofstraße.

Heinrich Mehring schrieb 2022 zum 1950er-Bild des Fotohauses Jürgens  :

"Der linke Gebäudeteil mit dem Schriftzug "Lichtbildhaus" sieht für mich aus wie ein Tageslichtstudio. In den Anfängen der Fotografie war das die einzige Möglichkeit, Studiofotografie zu betreiben. Im Detmolder Freilichtmuseum ist eins zu besichtigen. Mit dem Einzug der elektischen Beleuchtung war man dann vom Tageslicht unabhängig und hat sich über Jahrzehnte damit gequält, diese pezielle Lichtqualität wieder zu imitieren. Seit den 70er Jahren haben dann Fotografen wieder Tageslichtstudios gebaut, vorzugsweise in südlichen Gefilden"

Photo Stecher (Paul), Kirchstraße 6, (1871-1958), Fotonachlass im Museum im Schloss, Bad Pyrmont

Sein Haus findet man auch heute noch in der Hauptallee (siehe Bild)

Maria Valtingojer (Valt’l), Brunnenstraße, Hauptallee (1897-1978) - siedelte nach dem Krieg nach Thal um und errichtete dort mithilfe von 17 ortsansässigen Bauern als Erste ihre “Marias Hütte” im Stil einer Riesengebirgsbaude in der Marpje Siedlung in Thal. Ihr kostbarer Fotonachlass wurde zunächst in Schenna (Südtirol) vermutet, befindet sich aber weiterhin in Thal. Diese Fotografen versorgten auch die Pyrmonter Nachrichten in jener Zeit mit Fotos zu Lokalartikeln.

2023 fand Heinrich Mehring noch folgende Fotografen in dem Adressbuch 1953: Günther, Rudi, Fotokopieranstalt, Gartenstr. 15 Klose, Heinz-Walter, Gartenstr. 8 Philipps, Altenauplatz 4a Trantofsky, Otto, Kampstr. 6 Ausserdem nannte er noch Heinz Friedrich Müller (hfM) DEWEZET.

Verlage, die Ansichtskarten ohne Nennung des Fotografen waren: Ernst Schnelle (Pyrmont, Kirchstraße), Rumpff, später Maltzahn(Pyrmont, Brunnenstraße), Emmi Geck (Pyrmont), Schöning (Lübeck), Cramers Kulturanstalt (Dortmund), Wolfgang Heinz Klocke (Paderborn)

Fotohaus Henny Jürgens rechts im Hintergrund Ende der 1930er
Fotohaus Henny Jürgens in den 1930er


Quellen: Sammlung Schlutter, Museum im Schloss, Archiv der Dewezet

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