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Pyrmont:Straßen:Brunnenstraße:Brunnenstraße16: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Geschichtliches aus Bad Pyrmont
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[[File:19771130-PN_Richters_Pension.jpg|mini|Artikel der Pyrmonter Nachrichten am 30.11.1977]]
'''Ein zuverlässiges Heim für junge Damen ohne Begleitung''' [[File:19771130-PN_Richters_Pension.jpg|mini|Artikel der Pyrmonter Nachrichten am 30.11.1977]]
'''Mit Richters Pension verschwand ein Stück Pyrmonter Vergangenheit'''
'''Artikels aus den Pyrmonter Nachrichten (vom 30. November 1977):'''
PYRMONTER NACHRICHTEN                        Mittwoch, den 30. November 1977 – Nr. 279 / 130. Jahrg.
-oh- BAD PYRMONT. Mit Richters Pension verschwand ein Stück Pyrmonter Vergangenheit. Die gastliche Stätte wurde 1869 von Ad. Richter begründet an einer Stelle, die vorher schon ein Stück geschichtsträchtiges Pyrmont darstellte. Niemand anders nämlich als Friedrich der Große weilte 1744 und 1746 im benachbarten und erhalten gebliebenen heutigen „Alten Fritz“. Zu seiner Zeit allerdings existierte noch nicht das wohllöbliche Angebot, das die Christliche Kur-Pension Richter Anno dazumal machte und aus dem wir unseren Lesern einiges aus dem Inhalt nicht vorenthalten möchten:''
„Die vier Häuser der Pension liegen zwischen der mit hohem Linden bestandenen Brunnenstraße, der Hauptstraße der Stadt, und der Schulstraße. Die Pension ist von einem großen schattigen Garten, der mit vielen hübschen Sitzplätzen versehen ist, umgeben; auch bei weniger günstigem Wetter bieten Balkone, große Veranden und gedeckte Lauben angenehmen Aufenthalt im Freien. Das Grundstück hat Anschluß an die Wasserleitung und Schwemmkanalisation.
Die Trinkquellen, die Stahl- und Moorbäder sind nur wenige Minuten entfernt. Zum Solbade und Bahnhofe vermittelt die Pferdebahn, deren Wagen vor dem Haupteingange der Pension halten, eine bequeme Verbindung. Die Häuser enthalten eine große Zahl den verschiedensten Ansprüchen genügender Zimmer und einen großen Speisesaal. Die Pension hat Fernsprechanschluß und einen Briefkasten vor dem Hause. Zur Aufbewahrung von Fahrrädern steht ein Raum zur Verfügung.
Junge Damen ohne Begleitung, deren sich die beiden Hausfrauen gerne besonders annehmen, finden bei uns ein zuverlässiges Heim, Schutz und Rat in jeder Hinsicht und angenehme Gesellschaft. Der Preis für Verpflegung beträgt wöchentlich 28 Mk. Die Zimmerpreise beginnen mit 6 Mk. wöchentlich. Vor dem 15. Juni und nach dem 31. August Preisermäßigung von 10 Prozent auf Wohnung und Verpflegung. Pensionspreis für Kinder nach Vereinbarung.
Bedienung und Licht werden nicht berechnet; auf Trinkgeld angewiesen sind Saalfräulein, Zimmermädchen, Hausdiener.“
 
Hierzu muß man heute wissen, daß der wöchentliche Verpflegungssatz von 28 Mark pro Tag fünf Mahlzeiten umfaßte, also sieben Mal ein erstes Frühstück mit Kaffee, Tee, Milch oder Kakao, Brot, Butter und Gebäck, sieben Mal ein zweites Frühstück mit belegten Brötchen mit Bouillon, Eiern, Bier oder Portwein, sieben Mal ein Mittagessen, bestehend aus Bouillon, Fisch, oder Vorspeisen, Braten, Gemüse, Kompott und süßer Speise, sieben Mal Nachmittagskaffee mit feinem Gebäck und sieben Mal Abendessen, bestehend aus frischer Fleischspeise, Kompott, Butter und Brot, Tee oder Milch und auf Wunsch auch Suppe.
 
Aber auch damals galt schon: „Alles nicht kurgemäße wird gemieden.“ Wünsche in Bezug auf besondere Diät werden gern befolgt. Indessen galt auch: „Wein und Bier – außer zum Frühstück – sind nicht im Pensionspreis inbegriffen, werden aber zu mäßigen Preisen abgegeben.“ Waren das Zeiten, kann man da nur sagen…
 
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Aktuelle Version vom 14. September 2026, 19:47 Uhr

Brunnenstraße 16 und 17 in Bad Pyrmont

Bild auf Höhe des Alten Fritz, Richters Pension, hier "Das alte Haus" genannt, entlang der Brunnenstraße Richtung Stadtmitte / Brunnenplatz. 1906

Die beiden historischen Häuser in der Brunnenstraße spielen eine wichtige Rolle in der Geschichte Bad Pyrmonts als Kurort. Das Haus in der Brunnenstraße 16, das oft auch als „Alter Fritz“ bezeichnet wird, ließ Henrich Ortgies 1676/77 als erstes großes Pensionshaus bauen. Hier logierten berühmte Gäste wie der preußische König Friedrich II. („Alter Fritz“), der 1744 und 1746 zur Kur in Pyrmont war, oder der hannoversche Kurfürst und spätere englische König Georg I.. Das Anwesen gehörte zu einer parkähnlichen Gartenanlage, die bis zur Rathausstraße reichte. Im Gartenhaus – das heute nicht mehr existiert – versteckte sich 1744/46 der hannoversche Spion Geheimrat Unger, um Gespräche Friedrichs II. abzuhören. Nach dem Tod Ortgies’ verkauften seine Erben das Haus 1726 an Dr. Philipp Seip. 1776 erwarb sie der Kaufmann Windel aus Holzhausen, in dessen Besitz sie bis in die Mitte des 19. Jahr­hunderts verblieben. Dann ging es in den Besitz von Adolf Richter über, der dort die „Richters Pension“ einrichtete. Während das Hauptgebäude erhalten blieb, musste das Gartenhaus der Dana-Seniorenresidenz Brunnenkolonnaden weichen.

Inschrift am "Alten Fritz", aufgenommen im Mai 2026

Eine für Bad Pyrmont bedeutende historische Inschrift findet sich am „Alten Fritz“. In modernem Deutsch lautet sie: „Anno Christi 1556 war ein großer Zulauf zum heiligen Brunnen, nicht weit vom Schloss Pyrmont. Viele Kranke wurden gesund, Männer wie Frauen, wie Gott die Gnade gab.“ Damals wurde der Hyllige Born als Wunderquelle angepriesen; in nur drei Monaten sollen zehntausend Fremde herbeigeströmt sein. Mit dem Herbst 1557 ließ der Besuch jedoch nach.

Wilhelm Raabe beschreibt diese Ereignisse in seinem Buch "Der heilige Born".
Noch heute wird dieses Ereignis auch Wundergeläuf bezeichnet.

Richters Pension (Brunnenstraße 17) in den 1960er Jahren

Das benachbarte repräsentative Fachwerkhaus Brunnenstraße 17 wurde bereits 1669/70 von Ortgies als Amtshaus und Privathaus erbaut. Das Gebäude im Stil eines niedersächsischen Durchgangsdielenhauses mit Krüppelwalmdach trug einen prächtigen Torgiebel mit der Inschrift „IN NOMINE DOMINI NOSTERI JESV CHRISTI: IN DEO SPES MEA: / HENRICH ORTGIEIS * MARGARETA: M: BARCKHAUSEN / SE IPSVM NOSSCI SVMMA SAPIENTIA / ANNO DOMINI 1670“ („Im Namen des Herrn, unseres Jesus Christus: In Gott ist meine Hoffnung / Henrich Ortgies, Margareta M. Barckhausen / Sich selbst erkennen ist die höchste Weisheit / Im Jahr des Herrn 1670“). Hier empfing Ortgies Bauern zur Aufnahme der Pyrmonter Salbücher.

Der sommerliche Kuraufenthalt in Pyrmont war beliebt, und die Brunnenstraße entwickelte sich früh zur Straße der Hotels und Pensionen für anspruchsvolle Gäste. Eine besondere Rolle spielte der Brunnenarzt Dr. Johann Philipp Seip, der 1720 zu den Mitbegründern der Aktienstadt Pyrmont gehörte. Ihm gehörte das stattliche Haus Brunnenstraße 3, das für seine prominenten Badegäste oft zu klein war. Nach den Erfahrungen mit Zar Peter dem Großen erwarb Seip das Gelände Brunnenstraße 16, auf dem sich neben dem großen Fachwerkhaus auch ein kleineres Gartenhaus befand. Die bekannte Fotografie zeigt die Rückseite dieses Hauses mit Blick auf den Garten Richtung Rathausstraße. In diesem Gartenhaus wohnte Friedrich II. während seiner Aufenthalte 1744 und 1746 – zurückgezogen, mit Zeit für seine Amtsgeschäfte und für seine private Leidenschaft, das Flötenspiel.[1]

Damals reichte das Gartengelände der Brunnenstraße bis zur Rathausstraße – eine parkähnliche Anlage mit weiteren Logierhäusern und gesellschaftlichen Treffpunkten.

Beide Häuser blieben bis Mitte des 19. Jahrhunderts im Besitz der Familie Windel aus Holzhausen, bevor sie getrennt verkauft wurden: Brunnenstraße 16 an Adolf Richter und Brunnenstraße 17 an die Familie Hofschild.


Inneneinrichtung Richters Pension um 1910

Heute erinnere ich mich beim Betrachten der Innenansicht von Richters Pension – datiert auf das Jahr 1910 – an meinen nicht ganz legalen Besuch dort im Jahr 1971. Damals verschafften ein Mitschüler und ich uns Zugang zu diesem anscheinend längst verlassenen Haus. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir der Flügel, der Kronleuchter und die große Unordnung im Empfangsraum. Der historische Hintergrund des Gebäudes interessierte mich damals nicht. Komisch, wie sich die Perspektiven mit der Zeit ändern.


Am 22.02.2016 schrieb Wolgang Warnecke in den Pyrmonter Nachrichten über das Amtshaus von Henrik Ortgies (Auszug):

Brunnenstraße 17 1971/2026. Quelle: Nds. Landesamt für Denkmalpflege
Amtshaus Henrich Ortgies
Das Amtshaus Henrich Ortgies war ein Verwaltungs- und Wohngebäude an der Brunnenstraße in Bad Pyrmont. Es diente im späten 17. Jahrhundert als Amtssitz des Amtmanns Henrich Ortgies und stand in engem Zusammenhang mit dem Ausbau Pyrmonts zu einem Kur- und Badeort.

Historischer Kontext
Nach dem Pyrmonter Hauptvergleich von 1668 fiel die Grafschaft Pyrmont an das Haus Waldeck. Unter Fürst Georg Friedrich zu Waldeck‑Pyrmont wurden die ersten planmäßigen Kuranlagen angelegt, darunter der achteckige Brunnentempel am Heiligen Born und die Hauptallee. In dieser Ausbauphase entstand auch das Amtshaus, das Ortgies als leitender Verwaltungsbeamter nutzte.


Bauform
Das Gebäude war ein verputztes Durchgangsgiebelhaus mit Krüppelwalmdach. Der Torgiebel zeigte Pilaster mit korinthischen  Kapitellen und dekorativen Lanzettformen. Später wurde das Haus unter dem Namen Haus Hofschild geführt.

Abriss und Erhalt
1977 wurde das Gebäude abgerissen. Erhalten blieb lediglich der Torgiebel, der heute als bauliches Relikt an das frühere Amtshaus erinnert. Eine Fotografie von 1971 dokumentiert den Zustand kurz vor dem Abriss. Heute befindet sich an dieser Stelle der Osttrakt der Dana Seniorenresidienz
Richters Pension 1879 Quelle: Stadtarchiv PK001

R.B. schrieb 2022 zur Karte von 1879

Meine Mom hat in den 1950/1960 Jahren in Richters Pension gearbeitet und wir haben im Hinterhaus gewohnt, war eine schöne Kindheit..

R.A. schrieb 2022 zur Karte von 1879

Was für eine süße Karte und Geste an die Gäste des Hauses. Auch nicht uninteressant die Firma Edler und Krische in Hannover. Sie  haben, ich habe es gerade nachgelesen, damals schon überregional in größerer Stückzahl Werbungskarten fabriziert. Später bekam ja der Alte Fritz den uns bekannten typischen Vorbau/Galerie mit Balkonen.

Ein zuverlässiges Heim für junge Damen ohne Begleitung

Artikel der Pyrmonter Nachrichten am 30.11.1977

Mit Richters Pension verschwand ein Stück Pyrmonter Vergangenheit Artikels aus den Pyrmonter Nachrichten (vom 30. November 1977):

PYRMONTER NACHRICHTEN                         Mittwoch, den 30. November 1977 – Nr. 279 / 130. Jahrg.

-oh- BAD PYRMONT. Mit Richters Pension verschwand ein Stück Pyrmonter Vergangenheit. Die gastliche Stätte wurde 1869 von Ad. Richter begründet an einer Stelle, die vorher schon ein Stück geschichtsträchtiges Pyrmont darstellte. Niemand anders nämlich als Friedrich der Große weilte 1744 und 1746 im benachbarten und erhalten gebliebenen heutigen „Alten Fritz“. Zu seiner Zeit allerdings existierte noch nicht das wohllöbliche Angebot, das die Christliche Kur-Pension Richter Anno dazumal machte und aus dem wir unseren Lesern einiges aus dem Inhalt nicht vorenthalten möchten:
„Die vier Häuser der Pension liegen zwischen der mit hohem Linden bestandenen Brunnenstraße, der Hauptstraße der Stadt, und der Schulstraße. Die Pension ist von einem großen schattigen Garten, der mit vielen hübschen Sitzplätzen versehen ist, umgeben; auch bei weniger günstigem Wetter bieten Balkone, große Veranden und gedeckte Lauben angenehmen Aufenthalt im Freien. Das Grundstück hat Anschluß an die Wasserleitung und Schwemmkanalisation.

Die Trinkquellen, die Stahl- und Moorbäder sind nur wenige Minuten entfernt. Zum Solbade und Bahnhofe vermittelt die Pferdebahn, deren Wagen vor dem Haupteingange der Pension halten, eine bequeme Verbindung. Die Häuser enthalten eine große Zahl den verschiedensten Ansprüchen genügender Zimmer und einen großen Speisesaal. Die Pension hat Fernsprechanschluß und einen Briefkasten vor dem Hause. Zur Aufbewahrung von Fahrrädern steht ein Raum zur Verfügung.

Junge Damen ohne Begleitung, deren sich die beiden Hausfrauen gerne besonders annehmen, finden bei uns ein zuverlässiges Heim, Schutz und Rat in jeder Hinsicht und angenehme Gesellschaft. Der Preis für Verpflegung beträgt wöchentlich 28 Mk. Die Zimmerpreise beginnen mit 6 Mk. wöchentlich. Vor dem 15. Juni und nach dem 31. August Preisermäßigung von 10 Prozent auf Wohnung und Verpflegung. Pensionspreis für Kinder nach Vereinbarung.

Bedienung und Licht werden nicht berechnet; auf Trinkgeld angewiesen sind Saalfräulein, Zimmermädchen, Hausdiener.“

Hierzu muß man heute wissen, daß der wöchentliche Verpflegungssatz von 28 Mark pro Tag fünf Mahlzeiten umfaßte, also sieben Mal ein erstes Frühstück mit Kaffee, Tee, Milch oder Kakao, Brot, Butter und Gebäck, sieben Mal ein zweites Frühstück mit belegten Brötchen mit Bouillon, Eiern, Bier oder Portwein, sieben Mal ein Mittagessen, bestehend aus Bouillon, Fisch, oder Vorspeisen, Braten, Gemüse, Kompott und süßer Speise, sieben Mal Nachmittagskaffee mit feinem Gebäck und sieben Mal Abendessen, bestehend aus frischer Fleischspeise, Kompott, Butter und Brot, Tee oder Milch und auf Wunsch auch Suppe.

Aber auch damals galt schon: „Alles nicht kurgemäße wird gemieden.“ Wünsche in Bezug auf besondere Diät werden gern befolgt. Indessen galt auch: „Wein und Bier – außer zum Frühstück – sind nicht im Pensionspreis inbegriffen, werden aber zu mäßigen Preisen abgegeben.“ Waren das Zeiten, kann man da nur sagen…


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Referenz

  1. Nach einem Artikel von Dr. Dieter Alfter am 25. November 2013 in den Pyrmonter Nachrichten
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