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Holzhausen:Straßen:Schillerstraße:Schillerstraße86: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Geschichtliches aus Bad Pyrmont
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Datei:H011-1910.jpg|Holzhausen Gasthaus Drawe (~1910). Im Hintergrund die heutige Bärenhöhle [[Holzhausen:Straßen:GrießemerStraße:GrießemerStr5|(H#56)]]
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Datei:H011.jpg    |Gasthaus Drawe, Photograph Ludwig Roloff, Schillerstraße 20 (~1917)
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Datei:1997-Adolf-und-Lydia-Drawe-2.jpg| Adolf und Lydia Drawe (geb. Heetel) 1997
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Klaus Dorn schrieb in seinem Buch "Lebensberichte über Adolf (Peter) Drawe  "Eine Jugend im 20. Jahrhundert":
Klaus Dorn schrieb in seinem Buch "Lebensberichte über Adolf (Peter) Drawe  "Eine Jugend im 20. Jahrhundert":
  '''Adolf Drawe, genannt „Peter“, der Chef vom „Aschinger“'''[[File:1943-Adolf-Drawe.jpg|mini|]]
  '''Adolf Drawe, genannt „Peter“, der Chef vom „Aschinger“'''[[File:1943-Adolf-Drawe.jpg|mini|]] [[Datei:1997-Adolf-und-Lydia-Drawe-2.jpg|mini|]]
   
   
  Seine Lebensjahre zwischen 1940 und 1953 sind unauslöschlich geprägt von Militär, Krieg und Gefangenschaft. Die Erlebnisse der 14 Jahre    hat er im Wesen verinnerlicht, drückt er in seiner Wortwahl aus. Seine Gefühlswelt beweist es: auf das Alltägliche und Überlebenreduziert. Hart, ich-bezogen, abgeschottet, wenig mitteilsam, instinktiv misstrauisch, aggressiv, sobald der persönliche Schutzraum bedroht ist.
  Seine Lebensjahre zwischen 1940 und 1953 sind unauslöschlich geprägt von Militär, Krieg und Gefangenschaft. Die Erlebnisse der 14 Jahre    hat er im Wesen verinnerlicht, drückt er in seiner Wortwahl aus. Seine Gefühlswelt beweist es: auf das Alltägliche und Überlebenreduziert. Hart, ich-bezogen, abgeschottet, wenig mitteilsam, instinktiv misstrauisch, aggressiv, sobald der persönliche Schutzraum bedroht ist.

Version vom 19. August 2026, 16:20 Uhr

Holzhausen, Schillerstraße 86 - H#11 im alten Holzhäuser Brandkataster

Drawen / Aschinger im Jahre 1910. Das Ende der Schillerstraße heißt noch Hauptstraße und Drawen Wilhelm ist der Wirt. 1910 gab es in Holzhausen Nr. 11 den Wirt Wilhelm und eine Näterin (Näherin/Schneiderin) Alwine Drawe. Wilhelm war bereits über Fernsprecher erreichbar : Tel-Nr. 64
Nach dem Krieg und der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft betrieben Adolf und Lydia Drawe die Gaststätte bis 1997

Klaus Dorn schrieb in seinem Buch "Lebensberichte über Adolf (Peter) Drawe "Eine Jugend im 20. Jahrhundert":

Adolf Drawe, genannt „Peter“, der Chef vom „Aschinger“

Seine Lebensjahre zwischen 1940 und 1953 sind unauslöschlich geprägt von Militär, Krieg und Gefangenschaft. Die Erlebnisse der 14 Jahre    hat er im Wesen verinnerlicht, drückt er in seiner Wortwahl aus. Seine Gefühlswelt beweist es: auf das Alltägliche und Überlebenreduziert. Hart, ich-bezogen, abgeschottet, wenig mitteilsam, instinktiv misstrauisch, aggressiv, sobald der persönliche Schutzraum bedroht ist.
Peter fackelt nicht lange, hält verbal drauf, packt zu, ohne zu zögern, wenn nötig, und steckt auch dicke Brocken ein. Seine Sprache läßt Nichtmilitärs die Nase rümpfen. Ein Haudegen.

So fing es an:
1923 in Holzhausen geboren. Im Dezember 1940 in Stendal freiwillig zu den Fallschirmjägern eingerückt — ohne väterlichen Segen. Eine legendäre Truppe. Ausgebildet zum wagemultigen, opferbereiten, auch rücksichtslosen, aber würdevollen Kampf. Wer durchhielt, die Strapazen bewältigte, fühlte sich unüberwindlich, stark. War stolz auf sich, seine Einheit, Truppengattung.
Peter lernte Kameraden kennen, die zum Wort standen, erfuhr Treue - und Versagen. Im Stakkato rattert er die Einsätze runter, Einzelheiten, Unwesentliches auslassend. Es gab zu viel Ängste, Tränen, Schmerzen, Wut und Verzweiflung, sodaß er sich ihrer nicht erinnern will.

Ein Soldat zeigt keine Gefühle, meint(e) man. Peter hing am Fallschirm: über Kreta 1941, über Sizilien 1943, lag in Stellungen: vor Leningrad 1941, im Mittelabschnitt vor und in Smolensk 1942, vor Monte Cassino im Sommer1943. Erkrankte 1944 an Malaria, lag in Florenz im Lazarett, von dort in den Schwarzwald verlegt. Ersatzbataillon in Nürnberg. Einsatz im Brückenkopf vor Stettin an der Oder 1945. Rückzugsgefechte bis Berlin, Häuserkampf gemeinsam mit dem letzten Aufgebot: HJ, (Hitlerjugend, Sechzehnjährige) Volkssturm, Werwolf.
Am 2. Mai '45 in Berlin gefangengenommen.

Berlin, Häuserkampf gemeinsam mit dem letzten Aufgebot: HJ (Hitlerjugend, Sechzehnjährige) Volkssturm, Werwolf. Am 2. Mai '45 in Berlin gefangengenommen.

Gefangenschaft
Verhört, untersucht. SS-Mann? — Nein. Ohne Tritt marsch! Von Berlin nach Stettin. Von dort per Bahn im Viehwaggon quer durch die Sowjetunion hinter den Ural. Aufbauarbeit in
Karaganda, Moskau, Charkow. Im Bergwerk über Tage. Im Wald, an Seen und Flüssen zum Eissägen z. B. Werkzeug? Teilweise schlecht, unbrauchbar, nicht vorhanden.

Tagesablauf
Um 6 Uhr Wecken. Um 7 Uhr Abrücken zum Arbeitsplatz. Um 12 Uhr Mittag: Wassersuppe, 200 g Schwarzbrot, ein Stückchen Zucker. Um 18 Uhr Appell und Rückmarsch. Deutsche Offiziere stellten zum Teil die Brigadiere, die Zugführer der Arbeitskommandos, Brigaden genannt. Die  Baracken lagen teilweise des Klimas wegen im Erdboden. Im Winter wärmte die Erde, im Sommer kühlte sie. Ab minus 25° C arbeitsfrei.

Im Schweigelager
Die russischen Behörden verhängten über einige Lager Schreibverbot. Fünf Jahre lang blieb Peter für seine Eltern „verschollen“, er ohne Nachricht von zu Hause.
Ab 1950 normalisierte sich der Lebensumstand für die Gefangenen: Postverkehr nach Deutschland erlaubt, 25 Wörter pro zensierte Karte, der Wortlaut im ganzen vorgeschrieben. Alle 4 bis  6 Wochen konnten Pakete aus der Heimat empfangen werden, deren Inhalt viele Kameraden vor dem Tode bewahrte.

Klamotten
Zunächst trug man die Wehrmachtsuniform auf, bis sie verschlissen war. Dann halfen nach Bedarf russische Bestände aus. Im Winter: Wattejacken oder russische Mäntel, die bis zu den Stiefelspitzen reichen, mit überlangen Ärmeln. Abgetragene Filzstiefel als Schuhwerk. Und natürlich: Pelzmützen.

Bevölkerung
Das Volk war ebenso arm und hoffnungslos wie die Gefangenen. Es litt mit ihnen. Man verständigte sich. Denn die Deutschen beherrschten größtenteils die russische Sprache. Peter wörtlich: „Die Russen zeigten Mitleid und steckten uns, den offiziell Verfemten, ‘was zu, sofern möglich. Ich gestehe: Der einfache Russe ist als Mensch gut. Man vergesse nicht, wir sind über sie hergefallen."

Krank
Außer der Malariainfektion und einem 2 cm langen Lungenriss während des Kampfgeschehens erkrankte Peter ein einziges Mal
in den 9 Jahren der Gefangenschaft. Der russische Stabsarzt im Lagerrevier diagnostizierte: schwere Mandelentzündung, die ohne Antibiotika nicht zu behandeln war. Keine Medikamente. Eine Decke hing bereits vor dem Fenster als Zeichen für einen Todeskandidaten. Da riet ihm eine russische Ärztin, mit eigenem Urin zu gurgeln. Peter tat es. Der Eiter löste sich. Gerettet.

Aus Rußland entlassen
„1953 war ich körperlich gut beieinander“, so schildert Peter seine damalige Situation, bevor er heimkehrte. Die Aussicht, in Pyrmont seine Eltern gesund wiederzusehen, weckte in ihm ungeahnte Kräfte.
In Kiew wurde der Sammeltransport zusammengestellt. Im November 1953 war es endlich soweit. In offenen Waggons, die mit Ofen, Holz und Papier ausgestattet waren, trafen sie in Deutschland ein. Am 28. November 1953 betrat Peter in Friedland wieder deutschen Boden.

Empfang
Die Mutter und Fritz „Bubi* Emme begrüßten Peter in Friedland. Alle schluchzten. Peter, dem Harten, liefen die Tränen über die Wangen. „Bubi“ hieit sein Wort, das er Peter in Rußland gegeben hatte, und holte den Spätheimkehrer im Auto von Friedland ab. An die erste Mahlzeit in der Heimat, die in Maßen eingenommen werden durfte wegen des ausgehungerten Magens, erinnert sich
Peter natürlich: Nudeln mit Gulasch.

Nachdenkliches
14 Jahre anormales Leben. Mit 30 Jahren wieder auf eigenen Füßen. Peter fiel der Übergang vom Kommando in die Freiheit schwer. In der Gefangenschaft: Kohldampf, Druck, Schikane - in der Heimat: Lebensmittel, Demokratie, Initiative. Peter führte mit seiner Frau, einer geborenen Heetel, als gelernter Koch das Gasthaus Drawe, „Aschinger“ genannt, bis 1994. Frau Drawes Rolle in ihrem Leben: Prellbock und Hafen zugleich. Das war's ? Die Jugend verloren und beschissen. Das Vaterland, der Staat, die damalige Adenauer-Regierung zeigten sich den Spätheimkehrern gegenüber „großzügig“: Mit 3.690,-- DM abgefunden. Das sind noch nicht einmal 10 Pfennig pro Tag in russischer Gefangenschaft. „Danke“, knarrt Peter, „ich bin desillusioniert. Und uns wollten dieselben deutschen Politiker 3 Jahre später zur Bundeswehr einziehen - als Rückgrat der Armee“. Peter ist verbittert und unverstanden geblieben bis heute. Ein  einsamer Mann.

Im September 1996

Adolf (Peter) Drawe verstarb am 16.09.1999. Seine Frau Lydia folgte ihm am 06.11.2008.richte" (April 1997) über Adolf Drawe:



Oelschlägers Schlapp (um 1910), erzählt von DetlefDieter

Der Bauer Oelschläger befindet sich, nach dem Kirchgang ( Opa meinte fand bei Drawen statt ), auf den Weg zurück zu seinem Hof. Übrigens, der im Moment skandalumwitterte Holzhäuser Kindergarten. Er spaziert gerade um die, auf dem Foto zu sehenden Hecke, als eine Kutsche mit hochherrschaftlichen Gästen, so knapp an ihm vorbei fährt, daß diese ihn touchiert. Als Folge dessen, verhäddert sich der SCHLAPP ! seines Cuts ( Ausgehrock ) an der Kutsche und wird abgerissen. Er zwingt die Kutsche zum Anhalten und fordert vehement sein Recht.
< Jui moet meck dat betohlen >
Statt dem nachzukommen, wird der Kutscher veranlasst, dem dummen Holzhäuser Bauern sein Ansinnen mit der Peitsche auszutreiben. Dieser widerum, bekannt für seine nahezu unmenschlichen Kräfte, sieht sich daraufhin veranlasst, einfach die Kutsche, nebst Insassen, umzuwerfen. So liebe Leute, nun wisst ihr woher Schlapp seinen Namen hatte.

Wilhelm Wöbbecke übernimmt die Gastwirtschaft (1926)

Beim Durchstöbern der Unterlagen des für Holzhausen zuständigen Oberlandjägers Gress [1] stolperten meine Augen über die Schank-Erlaubnis für Wilhelm Wöbbecke in Holzhausen. Sie gilt für das Haus Nr. 11, also die Gastwirtschaft Drawe.

Fahnenweihe der nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung (März 1935)

Im März 1935 fand bei Drawen eine Fahnenweihe statt. Sie wird in der Dewezet am 05.03.1935 in einem Artikel beschrieben:

Bereits Anfang 1934 wird Drawen in der Lokalpresse als "Deutsches Heim" bezeichnet.


Pyrmonter Supermarkt in den ehemaligen Räumen der "Sternlichtspiele"

Im Dezember 1963 wird aus den Sternlichtspielen hinter Drawe/Aschinger in der Schillerstraße 86 der erste Pyrmonter Supermarkt von Siegfried Homuth. Damit schwappte vor 60 Jahren die Supermarkt-Welle auch nach Pyrmont. Damals rechnete Homuth mit einem Einzugsgebiet von 40 km, wie in den Pyrmonter Nachrichten berichtet wurde.

Werbung in den Pyrmonter Nachrichten zum 10-jährigen Jubiläum vom Pyrmonter Supermarktam 06.12.1973


1968 wurde der Supermarkt um eine Frischfleischabteilung erweitert. Auch das war ein Bericht in den Pyrmonter Nachrichten wert.

Bericht der PN vom 02.07.1968

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Referenz

  1. Protokollbuch des Landjägers Gress, jetzt im Nachlasssplitter Frank Schlutter im Stadtarchiv Bad Pyrmont , digital: https://drive.google.com/file/d/1-zvyATfzfI1uUzBsjL0aeEtD3TNDOaij/view?usp=sharing
  2. Bild Hermann Frede in Facebook-Gruppe Alt Bad Pyrmont
  3. Archiv der Dewezet
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