Pyrmont - Hauderer – Die letzten Droschkenfahrten in Bad Pyrmont
Saisonbeginn im Mai – ein vertrautes Bild verschwand in den frühen 1970er Jahren



Bis in die 1950er-Jahre hinein gehörten die sogenannten Hauderer, die Kutscher des Ortes, fest zum Bild von Bad Pyrmont. Wenn im Mai die Kurgäste eintrafen, standen sie mit ihren Gespannen am Bahnhof bereit und übernahmen den Transport zu den Hotels und Pensionen. Für viele Besucher war dies der erste Eindruck vom Kurort.
Ausflugsfahrten begannen damals zumeist am Kutschenstand gegenüber dem Kaiserplatz. Die Wagen waren meist deutlich gekennzeichnet, etwa mit den Namen von der Häuser, vor denen sie standen, für die sie fuhren (z.B. "Kaiserhof"). Die Kutscher kannten die Wege und ihre Stammgäste, und nicht selten ergaben sich während der Fahrt kurze Gespräche.
Um die Mitte des 20. Jahrhunderts setzte jedoch ein Wandel ein. Mit der zunehmenden Verbreitung von Kraftfahrzeugen ging die Nachfrage nach Pferdedroschken zurück. Für die Kutscher wurde der Betrieb immer schwieriger, da die Unterhaltung der Pferde mit erheblichen Kosten verbunden war. Zeitgenössische Berichte sprechen davon, dass es um 1950 noch etwa 15 konzessionierte Kutscher in Bad Pyrmont gab. Der Fahrpreis wurde in der Regel vorab vereinbart; als Richtwert galt ungefähr eine Mark pro Kilometer im Stadtgebiet. Längere Fahrten, etwa in die umliegenden Orte oder nach Friedensthal, dem Langen Grund oder der Sennhütte, waren entsprechend teurer. Gleichzeitig war die Einsatzfähigkeit der Pferde begrenzt, sodass sich die Einnahmen nur schwer steigern ließen.
In den folgenden Jahren verschwand das Gewerbe nach und nach. Mit ihm ging ein Stück Alltagsgeschichte verloren, das über Jahrzehnte das Erscheinungsbild des Kurortes mitgeprägt hatte.