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Bismarckstraße 17

Aus Geschichtliches aus Bad Pyrmont
Villa Vogell in den 1880ern
Lageplan 1911

Vor acht Jahren stieß ich zum ersten Mal auf ein Foto der Villa Vogell und teilte es in unserer historischen Facebook-Gruppe, ohne den einstigen Standort des Gebäudes zu kennen. Damals erhielt ich unerwartete Hilfe von dem damals stillen Mitleser Jost Schaper(†), der mir einen Lageplan zur Verfügung stellte. Nach und nach folgten weitere Hinweise, wie etwa alte Anzeigen.

Erst kürzlich, während meiner Recherchen für einen Beitrag über Eismachen und Eiskeller im Dewezet-Archiv, stieß ich erneut auf die Villa. Dabei klärte sich auch, warum meine frühere Suche erfolglos geblieben war: In alten Adressbüchern war der Name lediglich mit einem einzigen "l" (Vogel) verzeichnet. Über die Adresse Bismarckstraße 17 wurde ich nun jedoch fündig.

Stadtplan Pyrmont 1927

Das genaue Baujahr der Villa Vogell an der Ecke Bismarckstraße / An der Stadtkirche ist nicht überliefert. Historische Pläne geben jedoch Aufschluss über das Grundstück: Ein Stadtplan von 1810 nennt den Brunnenkommissar Hemmerich als Eigentümer des Geländes nördlich der späteren Stadtkirche, das wegen seines moorigen Bodens den Namen „Schwarze Gärten“ trug.

Inserat Villa Vogell 1886

Erstmals wird die Villa Vogell 1874 in einem Inserat von Fritz Vogell erwähnt. Darin bewarb er die „Neue Restauration“ und empfahl den Ausschank von Waldschlößchen-, Nürnberger und Vlothoer Bier.

Schon zwei Jahre später, 1876, führte die Kurliste „Vogells Restauration hinter der neuen Kirche", die sich damals noch in Bau befand, mit einer Gartenwirtschaft und einer Kegelbahn auf. Diese Kegelbahn wurde zwischen den beiden Gebäudeteilen (Pensionshaus und Gastwirtschaft) erbaut. Ein besonderer Service für die Gäste war außerdem die Lieferung von Speisen in deren Wohnungen, heute "Bringservice" genannt.

Werbung in Tourismusinfo Arolsen, http://arokarte.de/Arokarte-Magazin-2018.pdf

Fritz Vogell, der in Arolsen geborene Schuhmachermeister und Lederhändler, heiratete Emilie Reiling aus Pyrmont. Spuren seiner Herkunft finden sich offenbar noch in Arolsen, wo er Fürstlicher Hoflieferant gewesen sein soll und in der Bahnhofstraße 10 wohnte.

Die Gartenwirtschaft war bei Kurgästen sehr beliebt, da sie nicht nur unweit des Kurzentrums lag, sondern ihre Höhenlage auch einen weiten Blick ins südliche Umland bot. Im Jahr 1882 ließ Vogell im Südwesten der Gaststätte eine offene, teils verglaste Restaurationslaube errichten, um auch bei schlechtem Wetter die Aussicht zu genießen. Das 12 x 4 x 4 Meter große Bauwerk wurde vom Architekten Egl entworfen.

Das Restaurant soll den Namen „Die Warte“ getragen haben. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass Reisende hier auf die Postkutschen warteten, deren Route über den Leichweg (heute Bismarckstraße) führte. Ferner sollen auf dem Grundstück Reitesel bereitgestanden haben, die Kurgäste gerne für Ausflüge auf den Bomberg nutzten.

Fritz Vogell soll früh verstorben sein. Die Familie/Erben zogen zunächst nach Karlsruhe und später nach München, wo sie infolge der Wirtschaftskrise/Inflation in den 1920er Jahren völlig verarmte.

Haus Waltraut auf Postkarte 1915 gelaufen, Foto Stecher

Schwierig nachzuvollziehen wird es ab Beginn der 1930er Jahre. Zuvor lautete die Adresse der Villa Vogell Bismarckstraße 17 und die des Nachbarhauses Fremdenheim Waltraut Bismarckstraße 19 [Eigentümer zunächst (1915) Charlotte Wittrock, später (1920er) Geschwister Helbing]. Danach gab es im Pyrmonter Adressbuch nur noch das Fremdenhaus Waltraut mit der Adresse Bismarckstraße 17, und Vogells Restaurant wird nicht mehr erwähnt. Dies ist verwunderlich, da noch 40 Jahre, bis 1976, vergingen, bis es abgerissen wurde.

Wer die Geschichte ab den 1930ern kennt, möge sie hier gerne ergänzen...

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