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Holzhausen - Jetzt geht es um die Wurst

Aus Geschichtliches aus Bad Pyrmont

- Hausschlachtungen in Holzhausen im 20. Jahrhundert -

Bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts war die Nahrungsselbstversorgung Lebensgrundlage der ländlichen Bevölkerung, so also auch in Holzhausen.

Räucherhaus Stock um 1900
Familie Schmodt, Schäfergasse in den 1940er Jahren
Ermäßigung Schlachtsteuer 1935

Wilhelm Hilbert schrieb 1992 in seinem Beitrag zur Holzhäuser Dorfgeschichte:

„Fast alle Haushalte, auch die kleinen und kleinsten Land- oder Gartenbesitzer, fütterten ein oder mehrere Schweine, um als Selbstversorger für den kommenden Winter versorgt zu sein. Holzhausen war dörflich-ländlich geprägt, und die Schweinehaltung war eine „alte Holzhäuser Tradition".

Geschlachtet wurden überwiegend Schweine, die, wenn es die Örtlichkeit zuließ, im eigenen Stall gehalten wurden.

Die Holzhäuser fütterten ihr Schwein für den „Hausgebrauch" oft nur aus ihren Gartenerträgen. Kuriosität am Rande: Eine Pril-Werbung in den 1950er Jahren klärte mit dem Slogan "Kein Schlachtfest ohne Pril", dass auch Pril-Spülwasser als Schweinefutter genutzt werden könnte.
Naja.... .
Die Mast kostete also wenig Geld, weil Kartoffeln, Gartenabfälle, Küchenreste ( und Pril-Wasser ;) ) als Futter dienten – das eigene Fleisch war so die günstigste Eiweiß- und Vorratsquelle.

Ließen es die Örtlichkeiten nicht zu, wurden die Schweine vor der Schlachtung gekauft. Geschlachtet wurde aufgrund einer überlieferten Merkregel nur in Monaten, die ein "R" im Namen tragen, also in den Monaten "September" bis April. Dies macht Sinn, weil diese die Kältemonate sind, die bessere Halbarkeit des Schlachtgutes verspricht. Traditionell begann die Schlachtsaison jedoch erst am 11. November, dem sogenannten Martini-Tag.

Beteiligte bei einer Hausschlachtung waren: Eigentümer des Schlachtviehs (privat: Selbsterzeuger), Hausschlachter, Fleischbeschauer und Trichinenbeschauer, wobei Fleisch- und Trichinenbeschauer amtlich bestellt wurden. Der Hausschlachter war entweder ein Schlachter im Hauptberuf oder Landwirte und Handwerker (meist Maurer) im Nebenberuf, da im Winter "Schlechtwetterzeit" und somit weniger Arbeit im Hauptberuf vorlag.

In Mangelzeiten wurde die Fleischversorgung durch ein Bündel aus Rationierung (Fleisch-/Sondermarken) sowie Melde- und Abgabepflichten, strikter Kontrolle der Selbsterzeuger und der Vorweg-Abgabe von Schlachtvieh an den Markt gesichert – die traditionelle Hauschlachtung wurde dabei bewusst als Möglichkeit für die Eigenversorgung geduldet, aber mengenmäßig begrenzt.

Im Ersten Weltkrieg waren wegen der Fleischrationierungen private Hausschlachtungen zunächst gesetzlich verboten und wurden mit Gefängnis bis 6 Monaten oder Geldstrafe bis zu 1500 RM bestraft. Diese Regelung hielt aber nicht lange, weil die ländlichen Schweinehalter keinen Anreiz mehr sahen, Schweine aufzuziehen und zu mästen. Daraufhin wurde später entschieden, privaten Haushalten die Hälfte des aus einer Hausschlachtung erzielten Fleisches ohne Anrechnung auf die sogenannte Fleischkarte zur Verfügung zu stellen und auch von der zweiten Hälfte nicht alles voll angerechnet wurde. Zur Absicherung gegen Verlust durch Krankheit (Schweinepest, Maul- und Klauenseuche usw.) wurden Schweineversicherungsvereine a.G (auf Gegenseitigkeit) gegründet, in denen in der Nachkriegszeit bis zu 8000 Schweine versichert wurden.

Auch der Staat verdiente kräftig mit: Die Schlachtsteuer war für die Gemeinde Holzhausen ein bedeutender Einnahmeposten: Im April 1935 beliefen sich die aufgelaufenen Einnahmen aus der Schlachtsteuer auf fast 14.000 Reichsmark – knapp 9 % der Gesamteinnahmen. Der eigene Schlachter war oft ein Handwerker mit Zweitberuf (z. B. Maurer und Hausschlachter).

Vor der Hausschlachtung waren medizinische Untersuchungen des Schlachtviehs durch einen amtlich bestellten Fleischbeschauer erforderlich. Diese wurden aber um die Kosten zu ersparen nicht immer durchgeführt, was neben dem Selbstvorsorger auch für den Hausschlachter strafbar war. In Mangeljahren, besonders in im Zweiten Weltkrieg, wurden die empfindlichen Strafen zur Abschreckung in der Lokalpresse veröffentlicht.

Haltbar gemacht wurde das Schlachtgut durch Einkochen, Pökeln und Räuchern. Für letztere stand in Holzhausen Räucherhäuser in der Hauptstraße (Schillerstraße/Ecke Holzhäuser Straße) Räucherei Stock, in der Hospitalgasse Räucherei Hennefründ und in der Schäfergasse Räucherei Schmidt zur Verfügung.

In den 1950/60er Jahren war Fleischbeschauer oft ein Tierarzt, in Holzhausen Tierarzt Dr. Schiller.

Zu erwähnen ist noch, dass in Holzhausen, wie auch in anderen umliegenden Ortschaften, ein Schweineversicherungsverein existierte , bei dem Schweinehalter sein Schwein versichern konnte. Letztmalig im Februar 1976 las ich einen Artikel zur jährlichen Generalversammlung dieses Schweineversicherungsvereins a.G (auf Gegenseitigkeit) im Gasthof Mull (Zum Puren Hundertmark) .

Der damalige Lokalredakteur der Dewezet beschrieb den Ablauf der Versammlung der Begrüßung "Liebe Schweinefreunden..." bis zum Ende "...Mit einem zünftigen Mettessen und vielen Flaschen Korn und Bier nahm der Abend einen ange­nehmen Ausklang). Fraglich ist, ob der erwähnte Redakteur sich an diesen Abend noch erinnern kann.


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