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Aus Geschichtliches aus Bad Pyrmont
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== Die Pyrmonter Gesellschaft >Spelunke< und ihre ehrenwerten Halunken ==
== Die Pyrmonter Gesellschaft >Spelunke< und ihre ehrenwerten Halunken ==
- Extract des Festvortrages von Titus Malms <br>
Extrakt aus dem Festvortrag 100 Jahre Spelunkenturm, Titus Malms, 1996 <br>
Die Gesellschaft Spelunke wurde 1872 als lockere Frühstücksgesellschaft von Schauspielern, Künstlern und Honoratioren gegründet. Der Name „Spelunke“ (abgeleitet vom lateinischen „spelunca“ = Höhle) wirft bis heute Fragen auf: Warum trägt ein Aussichtsturm, der auf dem Bomberg (320 m über NN) steht, einen Namen, der eigentlich eine zwielichtige Kneipe bezeichnet? Die Antwort liegt in der ironischen Selbstinszenierung der Gesellschaft: Sie nutzte den provokanten Namen, um ihre heiter-rebellische Haltung gegen Spießbürgertum und Konventionen zu unterstreichen.
=== Die Spelunke – eine ungewöhnliche Gesellschaft in Pyrmont ===
=== Die Gesellschaft: Wer waren die „Halunken“? ===
 
Die Spelunke war ein exklusiver Männerbund, der sich aus Pyrmonter Honoratioren, Künstlern, Schriftstellern, Juristen, Ärzten und Kurgästen zusammensetzte. Zu den prominenten Mitgliedern zählten:
Wer heute zum Spelunkenturm auf dem Bomberg wandert, begegnet einem Namen, der zunächst etwas rätselhaft wirkt. Eine „Spelunke“ verbindet man eher mit einer einfachen, vielleicht sogar etwas zweifelhaften Gaststätte als mit einem Aussichtsturm. In Pyrmont hatte der Begriff jedoch eine ganz andere Bedeutung. Er war der Name einer Gesellschaft, die sich 1872 zusammenfand und deren Mitglieder sich selbst mit einer gehörigen Portion Selbstironie als „Halunken“ bezeichneten.
Theodor Francke („Theodor der Große“), Hofschauspieler und Kabarettist, der als Präsident die Gesellschaft prägte.
 
Otto Paetel, Gründer und Schauspieler.
Die Gesellschaft entstand als Frühstücksgesellschaft. Zu ihren Mitgliedern gehörten Schauspieler, Künstler, Kurgäste und Pyrmonter Honoratioren. Im Laufe der Jahre schlossen sich ihr zahlreiche Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben an. Unter ihnen befanden sich Ärzte, Juristen, Beamte und Bürgermeister, aber auch bekannte Schauspieler. Eine wichtige Rolle spielte Theodor Francke, der später als Präsident der Gesellschaft hervortrat.
Adalbert Matkowsky und Joseph Kainz, berühmte Schauspieler des 19. Jahrhunderts.
 
Eduard Engel, Literaturhistoriker.
Der ungewöhnliche Name „Spelunke“ war dabei durchaus Absicht. Die Mitglieder gaben sich damit einen Namen, der nicht recht zu einer angesehenen Gesellschaft passen wollte. Gerade darin lag vermutlich ein Teil des Vergnügens. Man traf sich in geselliger Runde, pflegte seine Rituale und nahm sich selbst nicht allzu ernst.
Bürgermeister, Brunnendirektoren, Richter und sogar Prinz Bernhard zu Sachsen-Weimar oder Graf Baudissin.
 
<br>
=== Aufnahme mit Fallgatter und Goldstück ===
Die Aufnahme neuer Mitglieder war ein ritualisiertes, humorvolles Spektakel:
 
Der Kandidat musste versichern, „in freundlicher Absicht“ zu kommen.
Wer Mitglied werden wollte, musste sich auf einiges gefasst machen. Die Aufnahme war kein nüchterner Verwaltungsakt, sondern gehörte selbst zum gesellschaftlichen Schauspiel. Der Bewerber hatte zunächst zu versichern, „in freundlicher Absicht“ zu kommen. Anschließend wurde das Fallgatter geöffnet und der neue „Halunke“ in die Gesellschaft aufgenommen.
Ein Fallgatter (symbolische Barriere) wurde gehoben, und der Neuling betrat den Raum unter dem Jubel der „Halunken“.
 
Es folgte eine Eideszeremonie mit absurden Versprechungen, begleitet von einer Reiterpistole, die auf den Neuling gerichtet wurde – bis dieser bereit war, eine „lebenslängliche Mitgliedschaft“ durch die Zahlung eines Goldstücks zu erwerben.
Auch die anschließende Zeremonie war entsprechend gestaltet. Zu den Aufnahmebräuchen gehörten ein Eid, verschiedene Versprechungen und eine auf den Kandidaten gerichtete Reiterpistole. Am Ende stand die Zahlung eines Goldstücks, mit der die lebenslange Mitgliedschaft besiegelt wurde.
Besonders beliebt: Der Weihekuss des Präsidenten auf die Stirn von Damen (an „Damentagen“).
 
=== Das Leben in der Spelunke: Rituale und Allotria ===
Auch die Damen kamen bei den Veranstaltungen nicht zu kurz. An den sogenannten „Damentagen“ gehörte unter anderem der Weihekuss des Präsidenten zum Programm.
Die Gesellschaft traf sich täglich von 12 bis 14 Uhr in ihren Räumlichkeiten (zuerst im Keller der Weinhandlung Meyer, später in der Brunnenstraße). Die Sitzungen waren geprägt von:
 
Scherzen, Wortwitzen und improvisierten Gedichten (oft von Theodor Francke).
=== Zwischen Frühstück, Scherzen und Festen ===
Gemeinsamen Mahlzeiten mit exotischen oder humorvoll benannten „Leibgerichten“ (z. B. „Dumpernickel, Ochsenmaulsalat, Herero-Speere, Gänseleberpastete“).
 
Spendenaktionen: Die Einnahmen flossen zunächst an die Deutsche Gesellschaft Schiffbrüchiger, später in Pyrmonter Projekte wie den Spelunkenturm, das Lortzing-Denkmal oder soziale Einrichtungen.
Das gesellschaftliche Leben der Spelunke spielte sich zunächst im Keller der Weinhandlung Meyer ab, später in Räumen an der Brunnenstraße. Die Mitglieder trafen sich regelmäßig zwischen zwölf und zwei Uhr. Gegessen und getrunken wurde dabei ebenso wie gescherzt und gedichtet.
Programme mit absurdem Humor: Die Feste der Spelunke waren legendär. Beispiele aus den Original-Programmen (1904–1908):„Ein- und Abholung der Festgäste im geschlossenen Möbelwagen“
 
„Zweistündige Bekämpfung des südafrikanischen Wüstendurstes“
Überliefert sind zahlreiche Namen von Speisen, die schon durch ihre Bezeichnung erkennen lassen, dass die Mitglieder einen besonderen Sinn für Humor hatten. Auf den Speisezetteln fanden sich beispielsweise „Dumpernickel“, Ochsenmaulsalat, Gänseleberpastete und die eigentümlich klingenden „Herero-Speere“.
„Spelunken-Lotterie: Jedes Los verliert“
 
„Parademarsch durch den Spelunken-Park mit Böllerschüssen“
Auch die Programme der Spelunkenfeste geben einen Eindruck davon, wie die Gesellschaft ihre Veranstaltungen gestaltete. Die Titel einzelner Programmpunkte sprechen für sich. So gab es unter anderem eine „Zweistündige Bekämpfung des südafrikanischen Wüstendurstes“, eine „Spelunken-Lotterie: Jedes Los verliert“ und einen „Parademarsch durch den Spelunken-Park mit Böllerschüssen“.
„Verlesung der eingegangenen Drahtsendungen – Ratenweises Verlesen größerer Festgedichte“
 
Solche Einfälle waren offenbar fester Bestandteil der Gesellschaft. Die Spelunke pflegte ihren eigenen Humor und machte sich dabei nicht selten über die üblichen Formen gesellschaftlicher Feierlichkeiten lustig.
 
=== Der Spelunkenturm auf dem Bomberg ===
 
Der bekannteste bleibende Zeuge der Gesellschaft ist der Spelunkenturm. 1896 wurde der Aussichtsturm auf dem Bomberg errichtet. Die Einweihung fand am 2. September desselben Jahres statt, dem damaligen Sedantag.
 
Der Turm kostete rund 20.000 Mark und erreichte eine Höhe von 27 Metern. Wer die 139 Stufen bewältigte, konnte von oben weit über das Pyrmonter Land blicken. Bereits 1899 wurden mehr als 5.000 Besucher gezählt. Der Eintritt betrug damals zehn Pfennig.
 
Eine Besonderheit war die sogenannte Grundsteinlegung. Bei der Spelunke wurde daraus eine „Schlußsteinlegung“. Auch hier zeigte sich der Hang der Gesellschaft, vertraute Begriffe und Abläufe ein wenig auf den Kopf zu stellen.
 
1902 kam mit der „Theodor-Hütte“ ein Schutzhaus hinzu.
 
Der Turm war jedoch nicht nur ein Aussichtspunkt. Die Spelunke verwendete ihre Einnahmen und Spenden auch für andere Vorhaben. Unterstützt wurden unter anderem das Lortzing-Denkmal und verschiedene Einrichtungen in Pyrmont. Die Gesellschaft verstand sich somit nicht ausschließlich als gesellige Vereinigung, sondern engagierte sich auch für die Stadt.
 
=== Das Ende der Gesellschaft ===


=== Der Spelunkenturm: Ein Denkmal mit Witz ===
Die Spelunke bestand über mehrere Jahrzehnte und überstand den Ersten Weltkrieg und die politischen Veränderungen der Weimarer Republik. In der Zeit des Nationalsozialismus änderten sich die Bedingungen grundlegend.
1896 beschloss die Spelunke, einen Aussichtsturm auf dem Bomberg zu bauen – als ironische Gegenbewegung zu den damals entstehenden nationalen Denkmälern (z. B. Kyffhäuserdenkmal, Porta Westfalica). Während andere Städte Bismarcktürme oder Kriegerdenkmäler errichteten, setzte Pyrmont auf Humor und Gemeinschaftssinn:
Der Turm wurde am 2. September 1896 eingeweiht – bewusst am Sedantag (Jahrestag der Schlacht von Sedan 1870/71), um die patriotische Stimmung mit einer heiteren Feier zu kontrastieren.
Die „Grundsteinlegung“ war in Wahrheit eine Schlußsteinlegung – typisch für die Spelunke, die Dinge gern „auf den Kopf stellte“.
Der Turm kostete 20.000 Mark, war 27 Meter hoch und bot einen Weitblick bis zum Teutoburger Wald und zur Porta Westfalica.
1899 besuchten bereits über 5.000 Personen den Turm (Eintritt: 10 Pfennig).
1902 wurde die „Theodor-Hütte“ als Schutzhaus eingeweiht.


=== Das Ende der Spelunke: Zwangsauflösung im Nationalsozialismus ===
1933 endete die Geschichte der Gesellschaft. Ihre Auflösung und der weitere Umgang mit ihrem Besitz bedeuteten zugleich das Ende einer Vereinigung, deren Selbstverständnis kaum mit dem politischen und gesellschaftlichen Klima des Nationalsozialismus vereinbar war.
Die Spelunke überstand Kriege und Krisen, doch im Dritten Reich wurde sie als „unzeitgemäß und überholt“ diffamiert:
Die Gestapo führte ein Verzeichnis der Mitglieder als „Feinde des Nationalsozialismus“.
1933 musste die Gesellschaft ihre Selbstauflösung beschließen.
Die Liquidatoren (u. a. Architekt Mogk und Regierungsrat Becker) übergaben den Turm der Stadt.
Viele Kunstschätze und Kuriositäten (z. B. Herero-Speere, ausgestopfte Tiere, das „Goldene Buch“) gingen verloren – teilweise durch Plünderungen, teilweise durch Entrümpelungsmaßnahmen oder die amerikanische Besatzung nach 1945.


=== Das Erbe: Ein Turm und ein Stück Pyrmonter Identität ===
Der Spelunkenturm blieb erhalten. Von den Gegenständen, die sich im Besitz der Gesellschaft befanden, ist dagegen vieles verschwunden. Dazu gehörten zahlreiche Kuriositäten und Erinnerungsstücke, darunter ausgestopfte Tiere, die sogenannten Herero-Speere und das „Goldene Buch“ der Gesellschaft. Was davon wann und unter welchen Umständen verloren ging, lässt sich nicht in jedem Fall eindeutig feststellen.
Trotz der Auflösung lebt der Geist der Spelunke weiter:
Der Spelunkenturm wurde in den 1970er Jahren saniert und ist heute ein beliebtes Wanderziel.
1996, zum 100-jährigen Jubiläum, wurde der Turm mit dem Pyrmonter Ankerkreuz bekrönt.
Die Spelunke steht für Pyrmonter Lebensfreude, Gemeinsinn und selbstironischen Humor – Werte, die Titus Malms in seinem Vortrag als „wahre Weitsicht“ der Gesellschaft würdigt.
Fazit: Warum die Spelunke wichtig war
Die Spelunke war mehr als eine Trinkgesellschaft:
Sie war eine „Sommerakademie des Lachens“ – ein Ort, an dem Humor, Kreativität und Gemeinschaft im Mittelpunkt standen.
Sie prägte das Pyrmonter Kurleben und trug durch Spenden zur Verschönerung der Stadt bei.
Sie bewies, dass Heimatverbundenheit auch mit Witz und Leichtigkeit gelebt werden kann.


=== Malms‘ Schlussappell: ===
=== Was von der Spelunke geblieben ist ===
„Wünschen wir uns diese wohltätigen, originellen Pyrmonter Spelunkenbrüder hoch leben zu lassen! Sie haben unsere Stadt so großzügig, so uneigennützig bedacht, dass wir uns noch immer ihrer Taten und ihres Turmes freuen dürfen.“


=== Quellen: ===
Der Spelunkenturm erinnert noch heute an diese ungewöhnliche Seite der Pyrmonter Geschichte. In den 1970er Jahren wurde er saniert. Zum hundertjährigen Bestehen des Turmes erhielt er 1996 das Pyrmonter Ankerkreuz.
Festvortrag von Titus Malms (1996)
Original-Programme der Spelunkenfeste (1904–1908)
Ehren-Tafel der Spelunke (1921)
Stadtarchiv Bad Pyrmont


Die Geschichte der Spelunke erzählt dabei mehr als nur von einem Verein, der gern gefeiert hat. Sie zeigt eine besondere Form des geselligen Lebens im damaligen Pyrmont. Die Mitglieder kamen aus unterschiedlichen Bereichen, pflegten ihre eigenen Rituale und verbanden Geselligkeit mit Spenden und bürgerschaftlichem Engagement.


Vielleicht liegt gerade darin der bleibende Reiz der Spelunke: Die Mitglieder nahmen ihre Gesellschaft ernst, aber offenbar nicht immer sich selbst. Ihr Turm auf dem Bomberg ist davon bis heute das sichtbarste Zeugnis.


Titus Malms brachte diese Wertschätzung in seinem Schlusswort auf den Punkt:
„Wünschen wir uns diese wohltätigen, originellen Pyrmonter Spelunkenbrüder hoch leben zu lassen! Sie haben unsere Stadt so großzügig, so uneigennützig bedacht, dass wir uns noch immer ihrer Taten und ihres Turmes freuen dürfen.“


<big>'''Extrakt aus dem Festvortrag ''100 Jahre Spelunkenturm, Titus Malms, 1996'' '''</big>
=== Quellen: ===
* Festvortrag von Titus Malms (1996)
* Original-Programme der Spelunkenfeste (1904–1908)
* Ehren-Tafel der Spelunke (1921)
* Stadtarchiv Bad Pyrmont
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=== Mitglieder der Spelunke (Ehrenhalunken, Präsidenten, aktive Mitglieder) ===
=== Mitglieder der Spelunke (Ehrenhalunken, Präsidenten, aktive Mitglieder) ===
- Adalbert Brümmer (Fürstlicher Schauspieldirektor)<br>
- Adalbert Brümmer (Fürstlicher Schauspieldirektor)<br>
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- Joh. Leisten (Badearzt, Selbstporträt-Ölgemälde)<br>
- Joh. Leisten (Badearzt, Selbstporträt-Ölgemälde)<br>
- Regierungsbaumeister Trautwein (Erbauer des Amtsgerichts und des Spelunkenhauses in der Brunnenstraße)<br>
- Regierungsbaumeister Trautwein (Erbauer des Amtsgerichts und des Spelunkenhauses in der Brunnenstraße)<br>
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Aktuelle Version vom 4. September 2026, 20:29 Uhr

Die Pyrmonter Gesellschaft >Spelunke< und ihre ehrenwerten Halunken

Extrakt aus dem Festvortrag 100 Jahre Spelunkenturm, Titus Malms, 1996

Die Spelunke – eine ungewöhnliche Gesellschaft in Pyrmont

Wer heute zum Spelunkenturm auf dem Bomberg wandert, begegnet einem Namen, der zunächst etwas rätselhaft wirkt. Eine „Spelunke“ verbindet man eher mit einer einfachen, vielleicht sogar etwas zweifelhaften Gaststätte als mit einem Aussichtsturm. In Pyrmont hatte der Begriff jedoch eine ganz andere Bedeutung. Er war der Name einer Gesellschaft, die sich 1872 zusammenfand und deren Mitglieder sich selbst mit einer gehörigen Portion Selbstironie als „Halunken“ bezeichneten.

Die Gesellschaft entstand als Frühstücksgesellschaft. Zu ihren Mitgliedern gehörten Schauspieler, Künstler, Kurgäste und Pyrmonter Honoratioren. Im Laufe der Jahre schlossen sich ihr zahlreiche Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben an. Unter ihnen befanden sich Ärzte, Juristen, Beamte und Bürgermeister, aber auch bekannte Schauspieler. Eine wichtige Rolle spielte Theodor Francke, der später als Präsident der Gesellschaft hervortrat.

Der ungewöhnliche Name „Spelunke“ war dabei durchaus Absicht. Die Mitglieder gaben sich damit einen Namen, der nicht recht zu einer angesehenen Gesellschaft passen wollte. Gerade darin lag vermutlich ein Teil des Vergnügens. Man traf sich in geselliger Runde, pflegte seine Rituale und nahm sich selbst nicht allzu ernst.

Aufnahme mit Fallgatter und Goldstück

Wer Mitglied werden wollte, musste sich auf einiges gefasst machen. Die Aufnahme war kein nüchterner Verwaltungsakt, sondern gehörte selbst zum gesellschaftlichen Schauspiel. Der Bewerber hatte zunächst zu versichern, „in freundlicher Absicht“ zu kommen. Anschließend wurde das Fallgatter geöffnet und der neue „Halunke“ in die Gesellschaft aufgenommen.

Auch die anschließende Zeremonie war entsprechend gestaltet. Zu den Aufnahmebräuchen gehörten ein Eid, verschiedene Versprechungen und eine auf den Kandidaten gerichtete Reiterpistole. Am Ende stand die Zahlung eines Goldstücks, mit der die lebenslange Mitgliedschaft besiegelt wurde.

Auch die Damen kamen bei den Veranstaltungen nicht zu kurz. An den sogenannten „Damentagen“ gehörte unter anderem der Weihekuss des Präsidenten zum Programm.

Zwischen Frühstück, Scherzen und Festen

Das gesellschaftliche Leben der Spelunke spielte sich zunächst im Keller der Weinhandlung Meyer ab, später in Räumen an der Brunnenstraße. Die Mitglieder trafen sich regelmäßig zwischen zwölf und zwei Uhr. Gegessen und getrunken wurde dabei ebenso wie gescherzt und gedichtet.

Überliefert sind zahlreiche Namen von Speisen, die schon durch ihre Bezeichnung erkennen lassen, dass die Mitglieder einen besonderen Sinn für Humor hatten. Auf den Speisezetteln fanden sich beispielsweise „Dumpernickel“, Ochsenmaulsalat, Gänseleberpastete und die eigentümlich klingenden „Herero-Speere“.

Auch die Programme der Spelunkenfeste geben einen Eindruck davon, wie die Gesellschaft ihre Veranstaltungen gestaltete. Die Titel einzelner Programmpunkte sprechen für sich. So gab es unter anderem eine „Zweistündige Bekämpfung des südafrikanischen Wüstendurstes“, eine „Spelunken-Lotterie: Jedes Los verliert“ und einen „Parademarsch durch den Spelunken-Park mit Böllerschüssen“.

Solche Einfälle waren offenbar fester Bestandteil der Gesellschaft. Die Spelunke pflegte ihren eigenen Humor und machte sich dabei nicht selten über die üblichen Formen gesellschaftlicher Feierlichkeiten lustig.

Der Spelunkenturm auf dem Bomberg

Der bekannteste bleibende Zeuge der Gesellschaft ist der Spelunkenturm. 1896 wurde der Aussichtsturm auf dem Bomberg errichtet. Die Einweihung fand am 2. September desselben Jahres statt, dem damaligen Sedantag.

Der Turm kostete rund 20.000 Mark und erreichte eine Höhe von 27 Metern. Wer die 139 Stufen bewältigte, konnte von oben weit über das Pyrmonter Land blicken. Bereits 1899 wurden mehr als 5.000 Besucher gezählt. Der Eintritt betrug damals zehn Pfennig.

Eine Besonderheit war die sogenannte Grundsteinlegung. Bei der Spelunke wurde daraus eine „Schlußsteinlegung“. Auch hier zeigte sich der Hang der Gesellschaft, vertraute Begriffe und Abläufe ein wenig auf den Kopf zu stellen.

1902 kam mit der „Theodor-Hütte“ ein Schutzhaus hinzu.

Der Turm war jedoch nicht nur ein Aussichtspunkt. Die Spelunke verwendete ihre Einnahmen und Spenden auch für andere Vorhaben. Unterstützt wurden unter anderem das Lortzing-Denkmal und verschiedene Einrichtungen in Pyrmont. Die Gesellschaft verstand sich somit nicht ausschließlich als gesellige Vereinigung, sondern engagierte sich auch für die Stadt.

Das Ende der Gesellschaft

Die Spelunke bestand über mehrere Jahrzehnte und überstand den Ersten Weltkrieg und die politischen Veränderungen der Weimarer Republik. In der Zeit des Nationalsozialismus änderten sich die Bedingungen grundlegend.

1933 endete die Geschichte der Gesellschaft. Ihre Auflösung und der weitere Umgang mit ihrem Besitz bedeuteten zugleich das Ende einer Vereinigung, deren Selbstverständnis kaum mit dem politischen und gesellschaftlichen Klima des Nationalsozialismus vereinbar war.

Der Spelunkenturm blieb erhalten. Von den Gegenständen, die sich im Besitz der Gesellschaft befanden, ist dagegen vieles verschwunden. Dazu gehörten zahlreiche Kuriositäten und Erinnerungsstücke, darunter ausgestopfte Tiere, die sogenannten Herero-Speere und das „Goldene Buch“ der Gesellschaft. Was davon wann und unter welchen Umständen verloren ging, lässt sich nicht in jedem Fall eindeutig feststellen.

Was von der Spelunke geblieben ist

Der Spelunkenturm erinnert noch heute an diese ungewöhnliche Seite der Pyrmonter Geschichte. In den 1970er Jahren wurde er saniert. Zum hundertjährigen Bestehen des Turmes erhielt er 1996 das Pyrmonter Ankerkreuz.

Die Geschichte der Spelunke erzählt dabei mehr als nur von einem Verein, der gern gefeiert hat. Sie zeigt eine besondere Form des geselligen Lebens im damaligen Pyrmont. Die Mitglieder kamen aus unterschiedlichen Bereichen, pflegten ihre eigenen Rituale und verbanden Geselligkeit mit Spenden und bürgerschaftlichem Engagement.

Vielleicht liegt gerade darin der bleibende Reiz der Spelunke: Die Mitglieder nahmen ihre Gesellschaft ernst, aber offenbar nicht immer sich selbst. Ihr Turm auf dem Bomberg ist davon bis heute das sichtbarste Zeugnis.

Titus Malms brachte diese Wertschätzung in seinem Schlusswort auf den Punkt:

„Wünschen wir uns diese wohltätigen, originellen Pyrmonter Spelunkenbrüder hoch leben zu lassen! Sie haben unsere Stadt so großzügig, so uneigennützig bedacht, dass wir uns noch immer ihrer Taten und ihres Turmes freuen dürfen.“

Quellen:

  • Festvortrag von Titus Malms (1996)
  • Original-Programme der Spelunkenfeste (1904–1908)
  • Ehren-Tafel der Spelunke (1921)
  • Stadtarchiv Bad Pyrmont

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Mitglieder der Spelunke (Ehrenhalunken, Präsidenten, aktive Mitglieder)

- Adalbert Brümmer (Fürstlicher Schauspieldirektor)
- Adalbert Matkowsky („Gigant im Reiche der Schauspielkunst“ des 19. Jahrhunderts)
- Albert Meyer
- Amtsgerichtsrat Dr. Fritz Breyhan (letzter Präsident)
- Amtsgerichtsrat Dr. Mommsen (Bad Pyrmont)
- Amtsgerichtsrat von Bardeleben
- Amtsrichter Hagemann
- Apotheker Storch
- Architekt Heinrich Mogk (Erbauer des letzten Spelunkenhauses in der Altenaustraße 4)
- Baron v. Münchhausen
- Bermann, Emil
- Bermann, Georg (Weinhändler, erstes Domizil der Spelunke)
- Bornemann
- Braust
- Bussemeyer
- Carl Dose (betrieb in Schieder den „Krug“, Holz- und Kolonialwarenhandel)
- Carl Sontag (Schauspieler, Hannover)
- Clasing
- Cordes
- Damköhler
- Dr. Carl Weitz
- Dr. Fritz Breyhan (Amtsgerichtsrat, letzter Präsident)
- Dr. Gruner
- Dr. Hartwig
- Dr. Lyncker
- Dr. Seebohm sen. und jun.
- Dr. Schücking (Leiter der Pyrmonter Aktivitäten auf der Chicagoer Weltausstellung)
- Dr. Weber
- Eduard Engel (Literaturhistoriker, Verfasser der *Deutschen Stilkunst*)
- Freiherr von Oldershausen, K.
- Freiherr von Hundelshausen (Kreisamtmann und Brunnendirektor)
- Friedrich Gösling (Ziegeleibesitzer, ehemaliger Präsident)
- Friedrich Leo
- Friedrich Schulze (Präsident nach Theodor Francke)
- Fritz Claus (Präsident, Oesdorfer Fabrikant, Entwurf für das Berliner Reichstagsgebäude)
- Fritz Leo
- Fritz Reiling
- G. Steinmeyer
- Graf Baudissin
- Georg Bermann
- Georg Weber (Bürgermeister von Oesdorf)
- Gösling, Friedrich (ehemaliger Präsident, Ziegeleibesitzer)
- Goecke
- H. Löwenherz (Lauenförde)
- H. Völkers
- Hölscher
- Hoffmann
- Holborn
- Ingenieur Ohnesorge (Bad Pyrmont)
- J. Pavenstedt (Rechtsanwalt in Bremen)
- Joseph Kainz („größter aller großen deutschen Schauspieler“)
- Justizrat Flucht (Elberfeld)
- Kanzleirat Tepel
- Königsmann
- Lentrodt
- Lyncker, Dr.
- Major v. Runkel (Hamburg)
- Menke, Sanitätsrat Dr.
- Müller
- Niemöller
- Ockel (Bürgermeister)
- Otto Paetel (Gründer, Schauspieler, Sohn eines Berliner Verlagsbuchhändlers)
- Pichler, August (Theaterdirektor)
- Pilgrim
- Presber, Rudolf (Schriftsteller)
- Prinz Bernhard zu Sachsen-Weimar
- Referendar Meyer
- Reiling
- Rieth
- Ritter
- Rabbiner L. Niemann
- Sanitätsrat Dr. Menke
- Scholing, Fr.
- Schörsche (Pyrmonter Original)
- Schücking, Dr.
- Schubert
- Severin, W.
- Sonnemann
- Storck
- Tobeck
- Theodor Francke („Theodor der Große“, Präsident, Hofschauspieler, Kabarettist)
- Vietmeyer (Amtsrichter)
- W. Krüger (Bad Pyrmont)
- W. Severin
- Wenderoth
- Weber, Dr.
- Wiedel
- Wollhausen
- Zimmermann (Lieferant für „Cochon Chien“)

Quelle: Festvortrag Titus Malms (1996), Ehren-Tafel der Spelunke, Inventarverzeichnis, Programme

Weitere erwähnte Persönlichkeiten (ohne direkte Mitgliedschaft)

- Claire Waldoff (Kabarettistin, trat im „Roland von Berlin“ auf)
- Herr Habenicht (Wetterprophet, 1896)
- Kaiser Wilhelm I. (Protektor der Deutschen Gesellschaft Schiffbrüchiger)
- Kaiser Wilhelm II. (Hofjagd in Springe)
- Lortzing, Albert (Komponist, in Pyrmont tätig)
- Peter Hille (Schriftsteller, zeitweise in Pyrmont wohnend)
- Rudolf Nelson („Piano-Napoleon“, Kabarettgröße)
- Rudolf Presber (Schriftsteller)

Künstler und Handwerker (mit Bezug zur Spelunke)

- Ahnert (Kasseler Künstler, Fresken in der Spelunke)
- Austermann (Ölgemälde in der Spelunke)
- Drechslermeister Ringe (Lauengasse 5, Schöpfer des Hutständers)
- Gustav Süß (Düsseldorfer Maler, Professor)
- H. C. Hempel (Düsseldorfer Maler, Professor)
- Joh. Leisten (Badearzt, Selbstporträt-Ölgemälde)
- Regierungsbaumeister Trautwein (Erbauer des Amtsgerichts und des Spelunkenhauses in der Brunnenstraße)

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